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We are the World?
Posted on June 28th, 2009 2 commentsVor noch gar nicht ganz einer Woche waren die Unruhen und Proteste im Iran in aller Munde. Die Evangelisten des Web 2.0 sprachen von der Twitter-Revolution und vom Empowerment der Massen, die sich selbst mit Informationen versorgen. Hatten doch viele Leute im Iran über die aktuellen Geschehnisse via Twitter berichtet bzw. mit der Handykamera aufgenommene Filmchen auf Youtube raufgeladen. In aller Welt erhielt das unterdrückte iranische Volk moralische Unterstützung, tausende Twitter-User färbten ihre Avatarbildchen grün um ihre Solidarität mit der grünen Revolution im Iran auszudrücken. Mancher Visionär sah hierin schon die Zukunft der Demokratie, die sich über das Netz organisiert. Nicht politische Systeme und Parteien, nein, Einzelpersonen die sich über das Internet miteinander vernetzen, würden zukünftig massive Änderungen auf der Welt bewirken. Und wirklich, wenn man die Geschehnisse in den letzten Tagen verfolgte, mochte man glauben, dass an diesen Theorien wirklich was dran war. Bis Freitag morgen jedenfalls.
Als nähmlich am 26.6.2009 in der Früh (hier in Neuseeland) die ersten Meldungen über den Tod von Michael Jackson zuerst spärlich auf Twitter und dann nach und nach auf den verschiedenen News-Seiten auftauchten, war die Grüne Revolution im Iran offenbar vergessen. Niemand interessierte sich mehr für die unterdrückten Massen im Iran, denn nun war ja der King of Pop gestorben. Twitter war zeitweise nicht erreichbar, es gab einen Edit-Marathon auf Wikipedia mit einigen Streitereien und Google News war sogar für einige Zeit nicht erreichbar, weil man dort aufgrund der schiren Masse an Anfragen für die Begriffe “Michael Jackson Death” von einer DOS(Denial of Service)-Attacke auf die Googleserver ausging. Von einen Moment auf den anderen hatte sich die aufgeklärte globale Gruppe der mündigen Webdemokraten in einen sensationslüsternen Mob verwandelt, der sich gierig sabbernd auf jede Neuigkeit zu Jackos Tod stürtzte. Vergessen waren die hehren Ziele die noch wenige Stunden zuvor hochgehalten wurden. Viel erschreckender für mich ist aber die Tatsache, dass scheinbar die gesamte Welt geschockt ist vom Tod eines abgewrackten 80s-Stars, der sich in den letzten zwanzig Jahren nur durch seine Skandale im Boulevard hielt. Es stellt sich mir hier nähmlich die Frage: Sind wir wirklich schon alle in der Lage uns politisch im Web zu betätigen? Ich sage nein, denn wenn der Tod eines Stars eine demokratiepolitische Aktion im Web ins straucheln bringt, dann sind wir davon noch Lichtjahre entfernt. Politik im Netz ist für “uns im Westen” zumindest etwas relativ unwirkliches. Es hat den Reiz des Abenteuerlichen, wenn wir uns an einer Twitter-aktion beteiligen, wo wir irgendwelche Leute unterstützen, die vorgeben, aus dem Iran zu sein. Vielleicht sind sie das ja. Vielleicht auch nicht. Wen interessiert es - wenn es langweilig wird, schließen wir einfach das Browserfenster, genauso wie wir beim Fernsehen den Kanal wechseln. Natürlich will ich hier nicht alle über einen Kamm scheren: es gab Leute, die private Proxyserver aufgemacht haben, damit die Leute im Iran weiter an News im Internet kommen, es gab Leute, die Fake-accounts auf Twitter gemacht haben, um die iranischen Behörden in die Irre zu führen. Aber wieviele von den Millionen Twitterusern waren das? Der Rest hat letztendlich am Freitag dann doch den News zu Jacksons Tod den Vorzug gegeben.
Ich möchte jetzt jenen, die noch vor wenigen Tagen so von der neuen Demokratie geschwärmt haben, ihren Enthusiasmus nicht absprechen, denke aber dennoch, dass diese aufgeklärte Gesellschaft, von der geträumt wurde, vermutlich auch zukünftig eine Vision bleiben wird.
2 responses to “We are the World?”

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Das war vor ein paar Jahren schon einmal so. Da gab´s zu Weihnachten den Tsunami, Wochenlang war dies dann Thema, und als dann der Deutsche Designer Rudolf Mooshammer ermordet wurde, stürzten sich alle gierig auf die Details und das Leid und Elend des Tsunami war kein Thema mehr.
Ich neige daher dazu dir Recht zu geben. Die Web Revolution der letzten Tage war ganz nett, aber für die Meisten endet sie wenn sie den Browser schliessen oder lustig zum nächsten Gratis Porno surfen.
Sollten also die im Iran handelnden Akteure nicht kurzfristig den Kaftan gegen lustige rosa Tu Tu´s tauschen und sich öffentlich für sehr warme Hobbys einsetzen, fürchte ich, dass die Bereitschaft der Web Gemeinde eine endenwollende ist sich damit weiter zu beschäftigen.
lg
Sascha -
Roserl June 28th, 2009 at 21:53
Aber war das nicht schon immer so? Auch in andren Medien?
Auch in den papiernen Zeiten ist es doch so, dass die Tageszeitungen das Thema nur so lange ausschlachten, bis etwas Neues, aufregenderes passiert. Ein Thema stirbt, sobald sich mit den Schlagzeilen kein Geld mehr machen lässt, oder halt nicht genug.
Ich weiß zum Beispiel nicht, was länger in den Medien war: Der Tsunami oder Lady Di’s Tod.
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Sascha June 28th, 2009 at 10:56