• Ist das iPad einen Kauf wert?

    Posted on January 30th, 2010 Nattl 5 comments
    steve

    Steve Jobs präsentiert das iPad

    Vergangene Woche hat die IT-Welt wieder einmal mit Spannung nach San Francisco geblickt, wo ein aufs Skelett abgemagerter Steve Jobs die neueste Innovation aus dem Hause Apple präsentierte. Die durchwegs solide Präsentation strotzte wie üblich von Superlativen, während Steve das iPad der Weltöffentlichkeit vorstellte. Endlich - das langersehnte Tablet von Apple, von dem sich die Industrie für den vor sich dahintümpelnden Tablet-PC-Markt  neue Impulse erhoffte, wie vor drei Jahren vom iPhone.

    Ehrlich gesagt bin ich vom iPad ein bisschen entäuscht. Normalerweise bringt Apple ja immer etwas sehr Innovatives raus, dass von dem ganzen Kaffeesudlesen, dass vor dem Release über ein neues Appleprodukt von den diversesten Blogs, Technologieforen und Zeitschriften betrieben wird, zumeist Lichtjahre entfernt ist. Diesmal aber haben die ganzen Kristallkugel-Prognosen gestimmt. Das iPad ist leider wirklich nur ein aufgeblasener iPod-Touch geworden.

    Doch eigentlich ist es gar nicht so verwunderlich, warum Apple diesen Weg eingeschlagen hat. Durch die Wahl von iPhone-OS als Betriebssystem kann man natürlich auch auf die abertausenden Applikationen, die bereits im App-Store angeboten werden, zurückgreifen. Das wichtigste beim Launch einer neuen Hardware-Plattform ist verfügbare Software und da ist es mehr als hilfreich, wenn man einen reichhaltigen Fundus an existierender Software anbieten kann. Zwar ist ein Großteil der im App-Store angebotenen Applikationen von fragwürdiger Qualität, aber wen interessiert das, wenn Steve stolz ankündigt, dass bereits 140.000 Applikationen für das iPad runtergeladen werden können.

    ipadDie Maße und das Gewicht des Tablets sind in Ordnung, auch wenn das Glossy-Display eine Anwendung unter im Sonnenlicht praktisch unmöglich macht. Jaja, ich weiss schon, auf einer entspiegelten Oberfläche würde man nicht viel mehr sehen. Fehlende USB-Anschlüsse finde ich da schon schlimmer. Somit ist derzeit, will man auf diverse Adapter verzichten, nur eine drahtlose Übertragung von  Software auf das Tablet möglich.  G’schwind mal eine Datei mit dem USB-Stick hin- und herkopieren ist derzeit nicht drin. Was meines Erachtens gleich mal die Verfügbarkeit von iWork auf dem iPad in Frage stellt. Warum zum Teufel soll ich eine Office-Anwendung mit so einem Touchscreen verwenden, wenn ich dann das Zeugs per Dock oder Email erst wieder auf einen ‘richtigen’ Computer übertragen muss. Es wird aber vermutlich sehr bald einen Adapter für den Dockanschluss um den lächerlichen Preis von so um die 30.00 Euro geben, über den man z.B. auch USB-Geräte anschließen kann. Man gönnt sich ja sonst nichts… Apropos Dock - das iPad Keyboard-Dock ist aber nicht ernst gemeint oder?

    Zum Thema Flash: Apple begründet das Fehlen von Flash auf dem iPad mit der Ressourcenhungrigkeit bzw. dem erhötem Sicherheitsrisiko, dem man sich durch Adobes Software ausgesetzt sieht. Schnickschnack! Dass Flash nach wie vor auf den mobilen Devices von Apple fehlt hat nur einen Grund: Flash ist nich nur ein Browserplugin, es ist eine mächtige Entwicklungsplattform, welche die Erstellung von Applikationen und Webservices ermöglicht. Eine Applikationsentwicklung, im Falle von iPhone, iPod Touch und iPad ausserhalb der Kontrolle von Apple vorbei. Dabei haben sie doch gerade mit dem App-Store alles so schön unter Kontrolle. Cupertino (Anm. Sitz des Apple Hauptquartiers) bestimmt, was auf ihre Devices kommt und was nicht, das ist der feuchte Traum eines jeden Produktmanagers schlechthin.

    Auf vielen Blogs und in Zeitungen wird die fehlende Unterstützung des iPads von Multitasking kritisiert. Das kostet mir nur ein müdes Lächeln - Leute, wenn man sich nicht auskennt, soll man nicht mit Fachbegriffen um sich werfen. Multitasking ist die Fähigkeit von Computern, mehrere Aufgaben (Tasks) für den Benutzer augenscheinlich “gleichzeitig” auszuführen. Wer sich das Konzept genau ansehen will, kann das z.B. auf der Wikipedia tun.  Was dieses Konzept angeht, sind natürlich alle mobilen Geräte von Apple Multitasking-fähig. Wenn man z.b. mit Safari eine Webseite lädt, werden mehrere Verbindungen zum Webserver aufgebaut um die Seite schneller zu laden (würde alles mit nur einer Verbindung geladen, wäre es elendslangsam). Auch so Spielereien wie die Push-technologie bei Mail laufen ja auch im Hintergrund. Die Push-technologie ist übrigens auch so ein Marketing-gag der aus technischer Sicht totaler Schwachsinn ist - aber ich verzettle mich… zurück zum Thema. Also das iPad beherrscht schon Multitasking. Was Apple aber unterbindet ist die gleichzeitige Benutzung von Applikationen. Man kann also nicht, wie normalerweise vom Notebook gewöhnt, mehere Programme (z.b. Mailprogramm, Browser und Word) gleichzeitig offen haben. Der Grund hierfür ist aber nicht, weil Apple so böse ist, und nicht will, dass wir mehrere Applikationen offenhaben, sondern hat ganz einfach energietechnische Gründe: Auf einem Gerät, dass die meiste Zeit mobil, also ohne Strom aus der Steckdose, betrieben wird, ist es enorm wichtig, dass keine unnötige Energie verbraucht wird. Auch wenn eine Applikation im Hintergrund vor sich hin-idlet, also nix macht, braucht sie trotzdem Strom. Würde es also möglich sein, mehrere Applikationen gleichzeitig offen zu haben, wäre die Folge eine kürzere Betriebsdauer im Akkubetrieb. Die Beschränkung auf nur eine Applikation macht also durchaus Sinn.

    Dass keine Kamera eingebaut ist, verwundert mich schon sehr. Grad die hätte eine Menge von Angwendungsmöglichkeiten eröffnet, wie z.B. Videochat. Auch fehlen mir Videoausgänge, um das Gerät an einen Fernseher oder Beamer anzuschließen. Wozu Keynote als Software, wann ich mit dem Trum dann keine Präsentationen machen kann? Noch ein zusätzliches Kabelchen für den Dockanschluß um 29.90?

    Die angegebene Akkulaufzeit von 10 Stunden kling sehr schön, wird aber bei normalen Betrieb wie üblich bei Apple-Produkten um ca. 20 % niedriger liegen, als bei 8 Stunden. Was trotzdem noch beachtlich ist, auch wenns an die Betriebsdauer von Amazons Kindle (mit WiFi 1 Tag ohne 1 Woche Dauerbetrieb - natürlich auch mit Vorsicht zu geniessen) nicht rankommt.

    Die Staffelung der Preise ist okay, auch wenn ich 499.00 Euro (die rechnen ja immer Dollar auf Euro 1:1 um ;)) für die kleinste Version mit 16 GB und ohne 3G schon etwas teuer finde. 200 Euronen billiger wäre schöner gewesen. Ein 3G-Gerät kommt vermutlich wieder mit einem zusätzlichen Mobilfunk Knebelungs-Vertrag daher. Wart- jetzt hat man eh schon ein Handy, einen Stick fürs Mobile Internet, da kommts auf den dritten Vertrag nicht mehr an oder?

    Die einzige sinnvolle Anwendung fürs iPad aus meiner Sicht ist die Verwendung als Ebook-Reader. Und wie erfolgreich das ist, kommt darauf an, wie das Angebot an Ebooks aussieht (und die Preise). Und natürlich, wie einfach es ist, eigene PDFs zu betrachten.

    Werde ich mir das Teil kaufen? Diese Frage stellt sich aus jetziger Sicht nicht. Ich lebe noch immer in Neuseeland, meine Ersparnisse gehen langsam zur Neige und ich habe im Moment andere Sorgen. Sollte ich, wenn ich wieder in Kakanien weile, einen überbezahlten Job haben und mir fad im Schädel sein, sodaß ich mich mit etwas aussergewöhnlichen belohnen möchte, kann ich mir vorstellen, dass mir ich die kleine Version als Ebook-Reader zulege - vorausgesetzt, dass ich meine bestehende PDF-Bibliothek bequem betrachten kann. Was ich halt bei der derzeitigen Produktpolitik von Apple irgendwie bezweifle. Ich würde aber aus jetziger Sicht auf das Produktupgrade warten, weil aus Erfahrung reicht Apple mit einer neuen Version ein besseres Gerät, welches die ärgsten Kritikpunkte der Vorgängerversion ausmerzt, nach ca. einem Jahr nach.

    Ansonsten sehe das iPad derzeit als ein Spielzeug für Gadgetverrückte mit zuviel Geld, die immer das neueste ihr Eigen nennen müssen.  Klar, fehlende Features wie eine Kamera, zusätzliche Anschlüsse werden im nächsten Produktupgrade unter dem frenetischen Beifall der iTalibangemeinschaft nachgereicht werden. Aber für mich ist das derzeit noch zuwenig.

     

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    • Phu! Nattl, lehne dich nicht zu weit aus dem Fenster hinaus.

      Du hast schon recht, was die Bezeichnung Multi-Tasking betrifft. Es hat sich aber nun einmal im normalen Sprachgebrauch eben Multi-Tasking für das Verwenden von mehreren Applikationen eingebürgert. Das ist letztlich die gleiche Diskussion wie bei “Hacker - Cracker”. Normale Anwender werden es nicht verstehen, oder wollen’s nicht verstehen.

      Ich selbst weiß nicht, ob ich es mir irgendwann besorgen werde. Wenn, dann aber erst in der 2. oder 3. Iteration des Gerätes, *wenn* folgendes dazukommt:

      Mir persönlich fehlt:
      - mehrere Applikationen gleichzeitig verwenden (Multi-Tasking :P ). Soviel mehr Energie kann das nicht kosten, wenn ein Event-Handler abfragt, ob diese oder jene Applikation gerade aktiv sein soll. Im iPhone ist das noch ok, aber auf einem Gerät, auf das iWork funktioniert, sollte das auch dabei sein.
      - höhere Auflösung … na ja, ich würde schon gern 1280×720 also zumindest 720p haben wollen.
      - zumindest USB-Support ohne zusätzliche Adapter
      - mehr Speicher und billiger. 16gb ist ein Witz, darüberhinaus wird es zu teuer. Das alles auch noch im Hinblick darauf, dass ich nicht ständig die Dateien austauschen kann.

      Das Dock mit dem Keypad macht aber schon Sinn, wenn du das Gerät auch als Textverarbeitung siehst. Und hochkant aufgestellt wirkt es recht schick. Ich will nicht alles über Touchscreen erledigen müssen.

      Am besten ist eh, man wartet einmal ab. Es wird sich herauskristallisieren, wozu es die meisten Anwender benutzen, und wie praxistauglich das Gerät tatsächlich ist.

      Grüße,
      Martin

    • Ach ja, mir erschließt sich auch nicht, warum ich so ein Gerät wie Kindle zum Bücher lesen verwenden sollte (489$ - joke). Die können die Bücher auch direkt vom Gerät löschen, wenn ihnen etwas nicht passt, wie man gesehen hat.
      Das Ding kann leicht kaputt werden. Und aufladen muss ich ein Buch auch nicht.

      Das selbe gilt für das iPad. e-Books darauf verwenden ist vll. ein Nachgedanke, sicherlich kein Kriterium für einen Kauf.

    • Hi Martin,

      ich lehn mich da gar nicht weit raus. Mir geht’s nur mittlerweile extrem auf die Nerven, dass etwas kompliziertes wie ein Computer von irgendwelchen Marketingleuten so banal hingestellt wird, als wäre es eine Brio-Holzeisenbahn. Keiner käme auf die Idee, einem Installateur, einem Automechaniker oder einem anderen Fachspezialisten ständig dreinzureden. Aber bei einem Computer der so ziemlich das komplizierteste Gerät ist, was der Durchschnittsmensch daheim herumstehen hat, tun alle so als wäre es das einfachste auf der Welt. Da werden Halbwahrheiten verbreitet, dass es einem Wehtut.

      *Heul*! Ich will die Zeit zurückhaben, wo Computerexperten ungefähr den gleichen Stellengrad hatten wie Alchemisten oder Hohepriester. Mit weißem Mantel dieses Wunderding “Elektronengehirn” bedienen…. *seufz*

    • Da heule ich gerne mit dir mit. :´(

      Ich habe übrigens vor Weihnachten wieder so ein Erlebnis gehabt. Ich hocke 2-3 Wochen an einem Teil, das unsere Software eigentlich im Standard haben müsste. Wir zeigen das Ergebnis meinem Chef. Der meint: “Das ist alles?”. Ich hätte ihm gern um seine Löffel gehauen, was alles zu berücksichtigen war, damit das Ding auch so läuft, wie es der Kunde gern haben und bedienen will.

      Wenn er es schon nicht verstehen will (und er will’s nicht verstehen), dann sollte er sich auch kein Urteil über die Software erlauben.

    • Ein Bekannter (der zwar sonst ein ziemlicher Koffer war) hat einmal richtigerweise gemeint, dass die EDVler selbst Schuld sind an ihrem Los, weil sie irgendwann Ende der 70er, Anfang der 80er Jahre auf die vertrottelte Idee gekommen sind, sich den weißen Mantel auszuziehen.
      Sinngemäß bedeutet das, dass man angefangen hat, Computer und Software für jedermann zu bauen.

      Und dass jemand, der nach der “Any-Key”-Taste sucht, keine Vorstellung hat, wie kompliziert so ein Werkel ist, ist ja wohl klar. Da können dann nur dumme und unqualifizierte Meldungen kommen.

      Früher hätt ich mich auch aufgeregt, hätte krampfhaft versucht, die Anforderung des Kunden umzusetzen. Mittlerweile steh’ ich auf dem Standpunkt: wenns das Framwork nicht unterstützt, dann geht’s nicht. Ich hab das Zeugs nicht entworfen, bin kein Architekt (ie. bekomm das nicht bezahlt), ich kann das nicht ändern.


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