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Wozu studieren… in Österreich
Posted on January 23rd, 2011 11 commentsHach bin ich froh, dass ich nicht in Österreich studiert habe. Wirklich! Meinen Bachelor hab’ ich an einer englischen Universität gemacht, meinen Master an einer neuseeländischen. In Mindeststudienzeit, versteht sich, weil in Österreich würde ich ja vermutlich noch immer irgendwie so halb mit dem ersten Studienabschnitt herumbummeln müssen und mich mit irgendwelchen administrativen Hürden ärgern.
Als Postgraduate in Neuseeland beispielsweise hatte ich meinen eigenen Schreibtisch mit Computer, ein Budget für wissenschaftliche Literatur (ich sag meinen Betreuer, was ich brauche, und die Uni bestellt das Buch für mich), eine Förderung für Veröffentlichungen und Konferenzen, eine Reisekostenförderung (wenn man auf eine Konferenz fliegen muss) und im Labor wurden mir die Mittel, welche ich für meine Forschung benötigte, umgehend zur Verfügung gestellt. Mit Studentenausweis gabs in der dortigen Mensa vergünstigtes Essen (8 – 10 verschiedene Auswahlmöglichkeiten, von Asiatisch bis vegan alles vertreten — ich hab’ das aber nicht genutzt da ich in einem Postgraduate Studentenheim mit Vollpension gelebt habe, am Campus, versteht sich), für umgerechnet 20 EUR konnte ich mit Studentenausweis ein ganzes Semester lang alle Aerobickurse, die angeboten wurden, besuchen, das Fitnesscenter selbst ist mit Studentenausweis gratis. Alle Geschäfte und Restaurants bieten Studentenrabatte, egal ob McDonalds, Domino’s oder das Campus Wonderful Store, als Student lebt man günstig. Ach ja, und ich hatte zwei Betreuer. Zwei! Die haben sich ständig um mich gekümmert, einmal wöchentlich hatte ich ein eineinhalb Stunden Gespräch über den Fortschritt meiner Diplomarbeit. Wenn ich dazwischen Fragen hatte, konnte ich selbstverständlich jederzeit zu meinen Professoren gehen und sie fragen. Dass wir uns vom ersten Tag an geduzt haben, brauche ich nicht erwähnen, oder? Zugegeben, Computer Science ist an der University of Otago ein sehr kleines Department, allerdings weiss ich von meinen Kommilitonen im Postgrad College, dass diese Qualität auch auf den anderen Departments vorhanden ist.
Das Ganze hatte natürlich auch einen Preis: als Postgraduate Student musste ich für ein Jahr Uni ca. so um die 12.000 Euro abdrücken. Ein Jahr! Zugegeben, für international Students ist das recht teuer, aber die Preise für Einheimische liegen mit 6000 pro Jahr auch weit über dem, was man sich in Österreich vorstellen könnte, für ein Studium auszugeben. Wer jetzt glaubt, dass studieren in Neuseeland ein Programm für finanzielle Eliten ist, der irrt. Das Land hat eine Akademikerquote von um die 40 %, und liegt hier meines Wissens weit über Österreich, welches nicht einmal die Hälfte davon hat, und komme mir jetzt keiner mit HTL und Knödelakademie, das sind berufsbildende Schulen und keine Universitäten. Punkt. Und betrachtet man sich die Studien, welche studiert werden, wird man feststellen, dass dort alles vertreten ist und nicht nur Studien, die einmal “jobmäßig was bringen”. Sowohl naturwissenschaftliche Studien, Ingenieurswissenschaften, Wirtschaft, Medizin als auch Kunst, Design, Kommunikationswissenschaften, alles wird unterrichtet. Und jeder zahlt die Studiengebühren. Weil jedem klar ist, dass das eine Investion in die Zukunft ist. Wer begabt ist und gute Noten hat, bekommt ein Stipendium. Davon gibt es unzählige. Sowohl staatliche als auch private. Unternehmen und Institutionen investieren jedes Jahr viel Geld in das Stipendiatssystem. Und es gibt Unterstützung für jedes Studium — also auch für die bei uns oft abwertend genannten Orchideenstudien.
Verglichen mit Österreich ist Neuseeland ein armes Land. Das habe ich selber gemerkt, wie ich unten lebte. Viele Dinge, die bei uns selbstverständlich sind, sind unten Luxus. Dennoch leistet sich dieses Land ein einmaliges Bildungssystem, es sind mehr neuseeländische Universitäten unter den Top 500 vertreten als österreichische, obwohl Österreich doppelt soviel Einwohner hat. Aber nicht nur Neuseeland ist ein Mekka für Studierende: Anfang 2010 hielt ich im Rahmen der Australasian Information Security Conference einen Vortrag an der Queensland University of Technology in Brisbane, Australien. Die Aussies stehen den Kiwis punkto Förderungen für Bildung und dem Studiensystem um nichts nach. Von Freunden, die in den Staaten oder Kanada studiert haben, höre ich das gleiche. Natürlich werden überall exorbitant hohe Studiengebühren verlangt.
Was machen aber diese Länder anders als Österreich? Oder anders gefragt, was machen diese Länder richtig und Österreich falsch? Das Problem ist, dass der österreichische Umgang mit der Materie ein gesellschaftliches ist. In einem Land, in welchem Studenten in der Anerkennung nur geringfügig über Küchenschaben stehen, ist ein vernünftiger Diskurs kaum möglich. Obwohl die selben Leute, welche über die Studenten schimpfen und behaupten, diese wären arbeitsscheues G’sindl und Schmarotzer kneifen sofort die Arschbacken zusammen und stehen Spallier, wenn sie ein Mag. oder Dr. vor dem Namen lesen. Das ist halt Österreich. Es hat vermutlich mit der so oft beschworenen Neiddebatte zu tun — ich selbst habe mit Vorgesetzten zu tun gehabt, welche, selber nicht studiert, ihre akademischen Mitarbeiter aufgrund von Minderwertigkeitskomplexen ständig erniedrigen. Wie kann man bei soviel geistigen Unvermögens eine g’sunde Debatte führen?Die Parteien selbst haben in Wirklichkeit keinen Plan. Das sieht man, wie in den letzten Jahren beim Thema Bildung agiert wurde. Freilich, dabeisein möchte man schon, klar hätte man gerne mehr Absolventen und wäre, wenn schon nicht weltweit, dann zumindest in Europa führend. Aber für richtige Reformen, die was bringen (und auch Kosten) ist man zu feig und auch zu unfähig. Und hier ist es egal, welcher Coleur die Partei ist, keine hat ein vernünftiges Programm. Wenn man aber so stümperhaft vorgeht, darf man sich natürlich nicht wundern, dass unser Universitätssystem den Bach runtergeht (Memo an mich: ich könnte ja irgendwann auch mal übers Schulsystem schreiben). Und wenn andere Parteien an der Macht sind, Gott behüte uns, dann wird das Ganze noch schlimmer. Ich hoffe, dass wir da kein blaues Wunder erleben müssen.
Aber es ist ja nicht nur die böse Bevölkerung und die unfähige Bundesregierung, die an der Misere schuld sind. Da sind einmal die Universitäten, die sich selbst zu Tode administrieren und anstelle die Prozesse zu streamlinen mit jeder Reform noch undurchsichtigere Regelungen einführen. Professoren, die aufgrund von hunderten Nebengsch’afterln für die Uni selbst eigentlich keine Zeit mehr haben, überforderte Betreuer, die ihre Studenten gar nicht mehr genau kennen… diese Liste kann man ja elendslang fortsetzen.
Und nicht zuletzt musss man auch die Studentenschaft betrachten: als 2009/2010 die #unibrennt Atktionen losgingen hatte man als Aussenstehender den Eindruck, dass die Proteste für eine Vielzahl der Studenten eher Eventcharakter besaßen denn richtige Proteste waren. Kein Wunder also, dass die Proteste dann von irgendwelchen wirren Gruppierungen gehijacked wurden und im Sand verliefen. Die Forderungen, die gestellt wurden, hörten sich an, als wären sie aus einer Hollywood-Komödie gestohlen, grad dass keiner Freibier für alle gefordert hat. Als zum Schluss in besetzten Hörsaalen nur mehr ein paar Sandler und die leninistisch/marxistische Vereinigung der lesbischwulen Transgenderpersonen saßen, waren auch die anfangs recht hohen Sympathiewerte in der Bevölkerung dahin.
Was kann man also tun für ein verwortageltes System? Hier mal ein paar Vorschläge, wie ich mir, naiv wie ich bin, sowas vorstelle. Ich nehme mir nicht heraus, zu behaupten, das Ganze wäre einfach.
- Einführen von Studiengebühren: derzeit bekommt der Studierende in Österreich vom Studiensystem das geboten, für das er bezahlt: NIX. Studiengebühren sind daher wichtig, um Qualtiät an den Universitäten zu bieten. Dementsprechend hoch müssen sie auch sein. Die Gebühren müssen Zweckgebunden werden, d.h. das von einem Studenten einbezahlte Geld muss diesem Studenten auch zugute kommen und darf nicht für das Stopfen von Budgetlöchern des Bundes zweckentfremdet werden. Institute bekommen finanzielle Mittel abhängig davon, wieviele Absolventen sie durchgebracht haben — sprich, es lohnt sich, eine hohe Qualität beim Studium anzubieten, weil dann mehr Mittel zur Verfügung gestellt werden.
- Trotzdem: Subventionierung durch Bund und Länder! Ein Träumer wer glaubt, dass durch Studiengebühren allein das Ganze System finanziert werden kann. Bund und Länder müssen also zusätzlich finanyielle Mittel zur Verfügung stellen, und das mehr als bis jetzt. Damit wird die Infrastruktur finanziert, z.B. das so oft zitierte Häuslpapier auf den Klos der Universitäten. Desgleichen werden hiermit die Gehälter des administrativen Personals bezahlt. Und hier soll nicht nur der Bund herangezogen werden, sondern auch die Budgets der Landesfürsten, die ja immer mehr Gewicht haben wollen. Wenn sie wichtiger sein wollen, dann sollen sie auch dafür pecken.
- Einführung eines richtigen Stipendiatssystems: staatliche und private Institutionen müssen ausreichend Fördermittel zur Verfügung stellen, um Stipendien zu finanzieren. Hier muss die österreichische Wirtschaft in die Pflicht genommen werden: ihr wollt gut ausgebildete Arbeitskräfte, also zahlt gefälligst dafür. Das kann natürlich mit diversen Steuererleichterungen schmackhaft gemacht werden. Stipendien müssen für alle Studienrichtungen angeboten werden können aber auch als steuernde Maßnahme eingesetzt werden, um Studierenden die Wahl eines benötigten Studiums schmackhaft zu machen (d.h. werden Ingenieurswissenschaftler gebraucht, werden diese Studien vermehrt gefördert). Es muss aber acuh klar sein, dass kein Bedarf für z.B. 200.000 Kommunikationswissenschaftler da ist, auch wenn es manchen Leuten schwerfällt, dass zu akzeptieren. Jeder, der das Zeug dazu hat, soll gefördert werden. Aber Leistungsabhängig. Passt die Leistung, gibts Kohle.
- Neues Vertragssystem für ALLE Lehrkräfte an den Universitäten: alle Lehrkräfte an den Universitäten werden für eine begrenzte Periode angestellt, die Leistung derselben wird regelmäßig durch eine unabhängige Kommission auditiert und abhängig davon wird der Vertrag verlängert oder beendet. Das klappt in anderen Ländern so, warum also nicht hier. Jaja, ich weiss schon, Gewerkschaft… Diese Regelung muss für alle gelten, also auch für jene, deren Hinterteile bereits vor Jahrzehnten auf ihren Platz festgewachsen sind. Nötigenfalls ist hier mit einem Verfassungsgesetz die Voraussetzung zu schaffen. Lehrkräfte, die sich entscheiden, politisch zu engagieren haben keinen Anspruch auf ihren Arbeitsplatz und müssen sich, wenns dann doch nicht klappt, für einen Posten neu bewerben. Sprich: Wirtschaftsprofessoren, die in den Nationalrat gehen, müssen ihren Job als Uniprofessor aufgeben und sind nicht einfach nur karrenziert.
- Entbürokratisierung der Universitäten: hier ist eh nicht viel zu sagen, die Doppelgleisigkeiten und der Beamtenschimmel müssen entfernt werden. Die Administration muss zu einem servicegetriebenen Betrieb werden, die Studenten sind zahlende Kunden und keine hilflosen Opfer, die man erniedrigen kann.
- Numerus Clausus: einem 18jährigen Menschen, der studieren gehen will ist es zuzumuten, eine Matura mit guten Noten anzustreben. Schließlich und endlich darf man mit 16 wählen und den Führerschein machen. Wer es nicht schafft, eine gute Matura zu machen, dem soll die Möglichkeit gegeben werden, mit einer Aufnahmeprüfung zu beweisen, dass er es trotzdem auf dem Kasten hat. Wir wollen ja schließlich Topstudenten und keine Mittelmäßigen.
- Verpflichtendes Auslandssemester: der Abschluss jedes Studiums soll ein verpflichtend absolviertes Auslandssemester zur Voraussetzung haben. Dies soll den Studierenden ermöglichen, aus dem Kastldenken des Österreichers auszubrechen und einmal was anderes zu sehen. Das Ganze muss natürlich ebenfalls entsprechend gefördert werden.
- Einheitliches Titelsystem! Die Grundidee des Bologna-Prozesses mit dem einheitlichen System war richtig. Allerdings war es ein Fehler, den Universitäten selbst zu überlassen, wie sie das System einführen. Somit ist ein Wildwuchs entstanden, der eine noch schlimmere Situation geschaffen hat, als jene, die vorher gegeben war. Daher einheitlich alle Studien nur mehr dreistufig mit englischer Bezeichnung: Bachelor/Master/PhD und keine deutschen Studien oder Lehrgänge, die gar nicht umgestellt sind. Es darf auch keine Doppelbetitelung geben (also gleichzeitige Verleihung von z.B. Master und Diplomingenieur).
- Anerkennung des Bachelors. Wer die Uni mit einem Bachelor abgeschlossen hat, der ist Uniabsolvent. Zwar nur Undergraduate, aber Absolvent. Hierzu müssen in der Wirtschaft die HR-Menschen ausreichend geschult und aufgeklärt werden, was der Bachelor ist. Es kann nicht sein, dass alle Leute eh bis zum Master weiterstudieren müssen, weus hoit imma scho so woa… Der Bachelor darf nicht zu einem “besseren” Maturanten verkommen. Bund, Länder und Gemeinden müssen hier mit gutem Beispiel vorangehen und das Besoldungssystem an die neuen Gegebenheiten anpassen.
- Lasset die Researcher zu mir kommen: Postgraduate-Ausbildung (also alles über dem Bachelor) muss gefördert werden. Internationale Master- und PhD-Studenten müssen mit gezielten Programmen gelockt und dann auch entsprechend gefördert werden. Nach Abschluss des Studiums sollen sie dazu ermutigt werden, hier zu bleiben. Dazu muss man natürlich auch Geld in die Hand nehmen. Eine unbekannte Pseudoeliteuni in den Bergen hinter Wien reicht hierfür nicht aus. Mir ist egal, wo jemand herkommt, welche Sprache er spricht, welche Farbe jemand hat oder an was er glaubt solange er Österreich weiterbringt (das gilt für sie auch, ich mag aber kein PC-Sprech)
Vermutlich gibt es noch viel mehr Dinge, die man ändern könnte aber nur durch radikale Maßnahmen kann man dieses Land vor dem abtriften in die Bedeutungslosigkei bewahren. Wer jetzt typisch Österreichisch sagt: “Des ganze is schön, aber des funktioniert bei uns eh net”, der hat in Wirklichkeit schon kapituliert. Und wollt ihr das wirklich? Wer mitdiskutieren will, mich aufgrund meiner Meinung beschimpfen will, seine Meinung kundtun will, der möge bitte seinen Kommentar abgeben.
10 responses to “Wozu studieren… in Österreich”

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deine Vorschläge für ein besseres Studium halte ich richtig,
aber ich glaube das würde den jetzigen ÖH-Chefitäten gar nicht im Kram passen, weil sie gegen Numerus Clausus und Studiengebühren sind. Und gerade vor Vermeidung dieser angesichts der Demos gegen diese Dinge, bin ich der Meinung, dass die Regierung gerade deswegen durch die Hintertür unsinnigere und sozial unausgewogenere “Studiengebühren” einführten. -
ich haette bedenken gegen ein system, bei dem die ausbildungsstaetten finanzielle mittel in abhaengigkeit von der menge der produzierten absolventen zugesagt bekommen.
das wuerde meines erachtens nach eher zu low quality ergebnissen fuehren. im stile von: “ah der kann zwar nix aber wenn ma den jetzt durchlassen sind wir ihn erstens los und zweitens gibts dick kohle.” -
Hallo Nattl,
schöner Diskussionsbeitrag zum Thema, aber ich bin nicht deiner Meinung.Studiengebühren einzuführen macht insbesondere VOR einer grundlegenden Reform keinen Sinn, außerdem wäre es imho “kriminell” für aktuell an den Unis herrschenden Bedingungen auch noch Geld einzufordern. Würde (ich glaube persönl. nicht mehr daran) man die Unis endlich so reformieren, dass ein Studium in angemessener Zeit und mit ausreichender Betreuung auch absolviert werden kann, dann könnte ich mir eventuell die Entrichtung eines gewissen, sehr niedrigen Obulus vorstellen.
Studien in Ö mit dem angloamerikanischen System, welches auch in Neuseeland und Australien angewendet wird, zu vergleichen ist nicht zulässig. Ich habe selbst in den USA studiert und hatte ähnliche Bedingungen. Diese Bedingungen hierzulande überhaupt herzustellen würde aber auch eine kulturelle Änderung voraussetzen. In den USA z.B. schließen die meisten Studenten ihr Studium mit einem gigantischen Schuldenberg ab (stammen aus Studentenkrediten). Ja es gibt Fördersysteme und gewisse staatliche Minderheitenförderungen (affirmative action), aber es herrscht auch ein anderer Zugang zur Wissenschaft an sich. In den USA und so wie du beschreibst in Neuseeland, hat man selbst als Nichtstipendienempfängerin die Möglichkeit an der Uni Geld zu verdienen bzw. sich die Studiengebühren zu ersparen. Als teaching assistant oder research assistant. Dieses System fehlt in Österreich völlig, hierzulande bekommen selbst Assistenten nur Hungerlöhne bezahlt. D.h. bevor sich an der Kultur nichts ändert, kann man auch die Unis nicht sinnvoll reformieren.
Evaluationen mit Konsequenzen befürworte ich, nicht aber einen Numerus Clausus, der würde wieder zu einer Benachteilung der sog. “bildungsfernen Schichten” führen.
Und die Unibrennt Proteste als großteils partygesteuerten Dilettantismus abzutun, ist mehr als unfair. Studenten haben in Ö generell wie du sagst einen niedrigen Stellenwert, unibrennt war wohl eine der größten Protestbewegungen der vergangenen 10 Jahre. Das Problem war hauptsächlich die fehlende Solidarisierung von anderen Bevölkerungsschichten. Österreich ist generell kein Demonstrationsland. Frankreich z.B. – dort werden Studentenproteste generell von sämtlichen anderen Schichten mitgetragen. Das liegt wiederum auch an unserer Kultur, gescheitert ist unibrennt nicht an wirren Gruppierungen, sondern an mangelnder Unterstützung (Sympathie genügt nicht) in der Restbevölkerung.
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Ich kann da – wie Dich vielleicht überraschen wird, weil Du mich ja nach wie vor etwas schubladisierst – ziemlich weitgehend mit. Daher in Folge nur meine wesentlichsten “Abers”.
1. Numerus Clausus und Aufnahmeprüfungen halte ich beide für keine geeignete Methode, die “Besten” zu finden. Numerus Clausus übrigens geht schon gar nicht, solange es keine Zentralmatura gibt sondern man von irgendwelchen schiefgelaufenen Lehrerbeziehungen abhängig ist. Besonders “dumm” ist auch das deutsche System, bei dem es je nach Beliebtheit eines Studiums verschiedene Ansprüche an den Notendurchschnitt gibt. Das “Motto” der Deutschen: weil viele gerne Ärzte werden würden, dürfen nur noch die Generalisten, die sich für alles so halbwegs gut eignen (und daher eine gute Matura gemacht haben) die Spezialistenausbildung “Medizin” absolvieren? Und bei Aufnahmeprüfungen beisst sich mE die Katze in den Schwanz. Ich halte es für unklug, zu glauben, man könnte durch geschickte Fragestellungen bereits VOR einem Studium feststellen, ob jemand mal ein exzellenter praktischer Arzt wird. Das geht nicht. Meiner Beobachtung nach sind unter später in irgendeiner Form “erfolgreichen” und “kreativen” Menschen sehr oft sog. “Schulversager”. Oder Menschen die sich für Prüfungen weniger eignen, dafür umso besser für reale Problemlösung im echten Leben. Ich kann das aber jetzt nicht belegen.
Ich würde aber argumentieren, wir brauchen so eine Selektion gar nicht.
Vielmehr glaube ich, dass ein stark an Leistungen gekoppeltes , reale Chancen für alle bietendes Stipendiensystem völlig ausreicht jene herauszufiltern, die sich – vielleicht trotz einer verpatzten Schullaufbahn und einem Fastfetzen in Turnen, Mathematik, Religion oder sonst einem Unfug – durch ein Studium durchbeissen, einfach weil sie “wollen”.
Zudem stellt sich auf Sicht auch die generelle Frage, wie weit überhaupt eine Notwendigkeit zu irgendeiner Selektion/Einschränkung besteht, wenn eine Gesellschaft binnen einer Generation ihre Akademikerquote um vermutlich 50% – 100% steigern sollte, um den Anschluss nicht zu verlieren. Ein liberaler Zugang zur Frage, welche Art von (Aus-?)Bildung übermorgen gefragt sein wird wäre schlicht: überlasst die Entscheidung den Studenten von heute.
2. Was mir in Deiner Aufzählung zu schwach ausgeprägt ist ist die internationale Ausrichtung. Brauchen wir nicht heute eine viel stärker zumindest europäische Perspektive auf die Hochschulbildung? Ich würde zB gerne ein “echtes”, breit angelegtes Stipendiensystem sehen, das zur Voraussetzung hat, das man NICHT im Heimatland studiert.
Wesentlich ist mir summa summarum, dass – für jeden – reale, echte Chancen bestehen, das was man wirklich will und mit Energie und nachvollziehbarer Leistung anstrebt auch zu bekommen.
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Sascha January 27th, 2011 at 19:07
Hm,
mir entzieht sich bis dato leider der (einleuchtende) Grund, warum ein Studium nichts kosten darf.
Jeder Meisterkurs kostet Geld. Die Prüfung kostet nochmals Geld. Ja sogar der simple Führerschein meine Lieben kostet Geld. Und den kann quasi ein jeder Tr…l machen.
Also warum bitte darf ein Studium nichts kosten? Wo es doch nach erfolgreichem Abschluss die gewisse Nasenlänge Vorsprung am Arbeitsmarkt bringt.
Ehrlich, ich versteh es wirklich nicht:/
lg
Sascha -
generics March 24th, 2011 at 00:15
Falls sich wer für ein Studium in Österreich interessiert, bekommt er Erfahrungsbericht und Interviews zum Studium auf http://www.easydegree.at
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[...] habe Anfang des Jahres einen Blogpost über Studieren in Österreich geschrieben und die darin erwähnten Dinge sind nach wie vor gültig: Studiengebühren ja, aber [...]
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weltbeobachterin January 23rd, 2011 at 14:45