• Randnotiz: Fischers Beitrag zur Wahlverdrossenheit

    Posted on April 24th, 2011 Nattl 4 comments

    In einem aktuellen Kurier-Interview hat unser Herr Bundespräsident Heinz Fischer klar gemacht, dass es nicht ausgemachte Sache ist, dass er einen HC Strache zum Bundeskanzler ernennen würde, sollte die FPÖ bei den nächsten Nationalratswahlen Nr. 1 sein.

    Verfassungsmäßig steht ihm als Bundespräsident natürlich zu, und der wer bei Wahlen Erster wird, hat tatsächlich kein Anrecht auf das Stellen des Bundeskanzlers. Demokratiepolitisch ist die Aussage unseres Herrn Bundespräsidenten jedoch eine Bankrotterklärung, schwingt doch zwischen den Zeilen die folgende Aussage mit: Liebe Österreicher: ihr könnt wählen, wen ihr wollt, wenn er uns nicht zum Gesicht steht, ignorieren wir das Wahlergebnis!

    Dabei wird leider übersehen, warum eine Partei wie die FPÖ solchen Zulauf hat: etablierte Parteien die nur mehr ans Absichern der eigenen Pfründe und Interessensgruppen denken und denen der durchschnittliche Österreicher, die durchschnittliche Österreicherin ziemlich egal sind. Die FPÖ ist nun einmal eine Protestpartei, über deren Wahl der Österreicher seine Unzufriedenheit und Ohnmacht auszudrücken versucht.

    Es wäre hilfreicher gewesen, hätte der Herr Bundespräsident den etablierten Parteien Ratschläge erteilt, dass sie hinkünftig wieder mehr Realpolitik machen und nicht am Wähler vorbeiregieren. Denn nur so könnte verhindert werden, dass Straches Partei mehr und mehr erstarkt.

    Mit seiner Aussage hat Fischer bewiesen, dass die Meinung des Souverain egal ist, wenn sie nicht den Interessen des Establishments entspricht. Sollte die Wahlverdrossenheit der Österreicher also weiter steigen, wissen wir einen der Gründe…

    Freilich, wer daran glaubt, dass mittlerweile fast ein Drittel der Österreicher (FPÖ + BZÖ) sowieso Faschisten und verkappte Neonazis sind, der atmet jetzt erleichtert auf — den es kann ja nichts passieren — rot-schwarz wurde durch diese Aussage des höchstrangigen Politikers des Landes quasi in den Verfassungsrang erhoben…

    Anmerkung: da dieser Blogeintrag möglicherweise von manchen Leuten falsch verstanden wird, will ich klarstellen, dass ich weder die Anwältin des Herrn Strache bin noch eine Regierungsbeteiligung der FPÖ herbeisehne. Mit diesem Beitrag möchte ich lediglich meiner Irritation Ausdruck verleihen, welche das Interview von UHBP bei mir ausgelöst hat.

     

    4 responses to “Randnotiz: Fischers Beitrag zur Wahlverdrossenheit” RSS icon

    • Es gibt also nicht nur Deutsches Elend, sondern auch Österreichisches Elend …

    • Das mit dem Aufatmen ist so eine Sache. Viel fehlt ja nicht mehr und Rot-Schwarz kommen nicht mehr auf 50% :-(

    • Wie es Martin Schimak kürzlich hier gepostet hat: vermutlich werden wir durch das Jammertal von Haze ziehen müssen, bevor sich wirklich etwas ändert. Klüger ist man leider immer nur danach und wir wollen es ja offensichtlich immer auf die harte Tour lernen.

    • Das hatten wir doch schon mal. Da sagte ein Herr Busek den ich an sich sehr schätze vor der Nationalratswahl klipp und klar, es wird eine Rot/ Schwarze Koalition geben “ohne Wenn und Aber”

      Das Wahlergebnis war nebst der Nichtwähler Quote desaströs.

      Also lieber Herr Fischer, vielleicht sollten Sie in Zukunft wieder entsprechend Ihrer bisherigen Vita vor/ während und nach wichtiger Entscheidungen lieber am Klo die Krone lesen bzw. Sätze OHNE Aussage zum Besten geben, denn wenn Sie tatsächlich mal etwas sagen das Ihnen wichtig genug ist wie z.B.: das garantieren der Roten und Schwarzen Regentschaft im Land, richten Sie damit nur Schaden an.

      Lassen´s Ihnen lieber von der Gattin die Haare schneiden. die wachsen nach und keinem tut´s weh;)
      lg
      S.


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