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Sind erneuerbare Energien die Lösung?
Posted on April 5th, 2011 3 commentsSeit Fukushima diskutierten alle, wie wir aus der Kernkraft aussteigen können und stattdessen unseren Energiehunger mit erneuerbaren Energien decken könnten. Dabei wird immer wieder Neuseeland als Paradebeispiels der grünen Insel genannt, weil dort ja alles so gut läuft. Atomfrei, versteht sich. Da ich längere Zeit in Neuseeland gelebt habe, will ich hier mal mit diversen urban legends, vor allem im Hinblick auf die Energieversorgung, aufräumen.
Neuseeland liegt südöstlich von Australien und besteht aus zwei Hauptinseln und einer Vielzahl von kleinen Inseln. Die Starke Nord-Süderstreckung des Landes hat zur Folge, dass es in Neuseeland eine Vielzahl von Klimazonen gibt: von subtropischen Klima im Norden bis zu gemäßigten Klima im Süden sind die verschiedensten Landstriche vorhanden: von saftigen grünen Wiesen, Steppen, Wüsten, Regenwäldern, Gletschern bis zu Dschungeln findet man von allem ein bisschen in Neuseeand. Das ist auch der Grund, warum die Filmindustrie — sprich Hollywood, viele Filme in Neuseeand dreht: die verschiedensten Filmkulissen liegen nur wenige Autostunden voneinander entfernt und ermöglichen niedrige Produktionskosten.Hier möchte ich gleich mal mit einem der ersten Vorurteile aufräumen, da viele Leute, mit denen ich über Neuseeland spreche, immer glauben, es ist ein warmes Südseeparadies. Wer in der Schule nicht aufgepasst hat: vom Äquator südlich wirds wieder kälter…
Ja, es gibt viele Palmen, das bedeutet aber nicht, dass es im Winter nicht schneit…Was die Energieversorgung angeht, so ist Neuseeland sicher ein Musterschüler: über 75 % der elektrischen Energie werden aus erneuerbaren Energien gewonnen. Der Rest wird aus Kohle- und Gaskraftwerken gewonnen. Das Land ist, was die Versorgung mit Elektrischer Energie angeht, autonom. Da laufen keine Kabel über tausende von Kilometern unterm Meer von Australien herüber. Deswegen dient das Land immer wieder als Vorzeigebeispiel, wie man mit alternativen Energien umgehen kann.
Lt. dem World Factbook der Central Intelligence Agency hat das Land bei knapp vier Millionen Einwohnern einen Verbrauch von 39.24 Terrawattstunden. Österreich hat bei ca. doppelter Bevölkerungsanzahl “nur” 65.67 Terrawattstunden. Das liegt nicht, wie fälschlicherweise in der Wikipedia behauptet wird, an der Tatsache, dass der Strom so günstig ist in Neuseeland (was er nämlich für Neuseeländische Verhältnisse sowieso nicht stimmt), sondern daran, dass die Kiwis ihre Häuser mit Strom beheizen.
Die Kiwis sind in der Regel nicht so reich wie wir Mitteleuropäer, deswegen können sich auch nicht alle die neuesten Modelle leisten, was natürlich dazu führt, dass Energiefress-Monster zum beheizen eingesetzt werden. Das und die Tatsache, dass man in Neuseeland kaum doppelt verglaste Fenster hat und die Wände der Häuser nicht ausreichend isoliert sind, führt dazu, dass man im Winter kaum ausreichend warme Wohnungen hat.
Jedes Jahr zur Winterzeit schnellen die Strompreise dann in die Höhe, wodurch sich viele Kiwis die hohen Heizkosten wenig bis gar nicht leisten können. Darum sitzen viele in kalten Häusern rum, haben meist nur einen beheizten Raum (wenn überhaupt). Stattdessen wärmt man sich die Betten mit Heizdecken. An der University of Otago, wo auch ich studiert habe, haben die Studenten den Spitznamen “Scarfies” — also Schalträger. Daher gibt es jedes Jahr in den Medien Diskussionen über die erhöhten Heizkosten.
Was die Energieherstellung angeht, so gibt es an jedem etwas breiteren Fluss mehrere Wasserkraftwerke. Etwas derartiges wäre bei uns in der Form vermutlich nicht möglich, weil eben jene, die sich über Atomkraft aufregen, ebenfalls über den Raubbau an der Natur aufregen würden, wie er in Neuseeland passiert.
Das geht sogar so weit, dass man mitten im den größten Nationalpark des Landes Fiordland, ein riesiges unterirdisches Wasserkraftwerk gebaut hat: Lake Manapouri Power Station, in unmittelbarer Nähe von zwei der schönsten Fleckern in Neuseeland: Doubtful Sound und Milford Sound. Unbestritten ein Meisterwerk der Ingenieurskunst:
Zusätzlich zur Wasserkraft werden auch andere alternative Energien wie Windkraft und Photovoltaik eingesetzt, wobei letztere in Neuseeland nicht wirklich Sinn macht, denn der Name des Landes in der Sprache der Ureinwohner, Aotearoa bedeutet soviel wie “Land der langen weißen Wolke”… Und dieser Name kommt nicht von ungefähr.
Lustiges Detail am Rande: in Neuseeland sind wir Österreicher bekannt als Spezialisten für Alternative Energien. Ich bin mehrmals darauf angesprochen worden…
Trotz dieser schiren Anzahl an erneuerbaren Energien gibt es immer wieder politische Diskussionen, ob man nicht doch auf Atomkraft setzen sollte…
Das Beispiel Neuseeland zeigt schön, dass es geht, wenn man will, allerdings muss man auch in Kauf nehmen, dass möglicherweise das Landschaftsbild verändert wird. Ob es der Weisheit letzter Schluss ist kann ich nicht sagen…
Übrigens: Mehr Neuseelandfotos gibts entweder hier auf diesem Blog (einfach die Jahre 2009 und 2010 durchstöbern, sowie hier: https://picasaweb.google.com/105793106167716523342
3 responses to “Sind erneuerbare Energien die Lösung?”

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Danke für den persönlichen einblick in die schattenseiten eines energie-vorzeigelandes.
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… Wir freuen uns
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gottfried April 10th, 2011 at 10:44