• Wann zerfetzt es die Koalition?

    Posted on September 22nd, 2011 Nattl 7 comments

    Korruptionsskandale in beiden Regierungsparteien und in zwei Oppositionsparteien, Streit und gegenseitige Unterstellungen und Verleumdungen an der Tagesordnung und absoluter Stillstand. In einer Zeit, in der aufgrund der wirtschaftlichen Schieflage eine vereinte Regierung extrem wichtig wäre, wird gestritten wie im Kindergarten.

    Und man frägt sich: wie lange geht das noch so weiter? Aus heutiger Sicht kann es doch nur mehr eine Frage von Wochen sein, bis einer der beiden Koalitionspartner das berümte “Es reicht” sagt. Oder versucht man sich doch noch weiter zu wurschteln, da klar ist, dass die ganzen Umfragen nur geschönt sind und beide Regierungsparteien nur verlieren können.

    Und kommt es zur Neuwahl: wen soll die Handvoll Österreicher, die überhaupt noch zu einer Wahl gehen, den bitteschön wählen? Das gleiche vom Alten kann ja nicht wirklich die Lösung sein. Die bibelzitatschwingenden Orangen vom BZÖ verlieren praktisch auch wöchentlich ihre Akteure, teils durch Abspaltung teils durch juristische Verfolgung. Die von “radelnden Großmuftis, welche in seeliger Eintracht mit offen schwullebenden Guerillagärtnern leben” träumenden Grünen lechzen ja sehnlichst danach, beim nächsten Mal auch ein Stückerl vom Kuchen ab zu bekommen. Bleiben also nur mehr die Rabauken von der FPÖ…

    Wo ist denn jetzt die Bürgerpartei, von der man im Frühjahr ständig gehört hat? Ja wo?

     

    7 responses to “Wann zerfetzt es die Koalition?” RSS icon

    • Trefflicher Artikel, cher »Nattl« — bis auf die Verwendung des Wortes »frägt«. Sorry, jetzt zu beckmessern …

      Zum Ausgleich: kannten Sie das köstliche Gedicht von Felix Dahn*): »Der grammatische Nachtwächter«? Wohl kaum — eh voilà, hier ist es:

      Hört, ihr Herrn, und laßt Euch sagen,
      Was der Sprache Glock’ geschlagen.
      Lange trug ich’s ohne Klagen,
      Wie ich viel schon klaglos trug! –
      Doch nicht länger will ich’s tragen,
      Dieses gottverdammte: »frug«!
      Nicht nur alle Zeitungen,
      Die Sprachverderbverbreitungen,
      Nicht nur sudelndes Gelichter,
      Nein, auch ein par echte Dichter,
      Auch mein lieber Julius Wolff,
      Bis ich ihm zur Einsicht holf,
      Und die strengen Dichter-Richter,
      Jene Minos-Angesichter,
      Unsre Spreu- und Weizensichter,
      Diese holden Bösewichter
      Sprechen täglich ganz gemüthlich,
      Christlich ebenso wie jüdlich,
      Sprechen, schreiben, drucken »frug«.
      Liebe Kinder, seid doch klug!
      Einfach ist es zu erörtern:
      Nur bei jenen Redewörtern,
      Die im Perfect steh’n auf –en,
      Mag im Imperfect gescheh’n,
      – Himmeldonnersacrament! –
      Was auf Deutsch man Umlaut nennt.
      Wenn Du »frug« und »frugst« willst sagen,
      Mußt auch Folgendes Du tragen:
      Sagen, sug, gesagt,
      Plagen, plug, geplagt,
      Zagen, zug, gezagt,
      Tagen, tug, getagt,
      Klagen, klug, geklagt,
      Ragen, rug, geragt,
      Würde solches Dir behagen?
      Zweifle, ob Dir das behug!
      An dem Zeug mußt Du verzagen,
      Ob Dein Herz noch nie verzug.
      Dank sollst Du dem Warner sagen,
      Ob Du Dank noch nie mir sugst;
      Nie mehr unsre Sprache plagen,
      Ob Du oft mit »frug« sie plugst,

      Nur noch Eines nebenfüglich:
      Schreibe niemals »diesbezüglich«:
      Weil es erstens lautlich scheußlich,
      Zweitens auch grammatisch gräuslich:
      Denn: »auf diesbezüglich« müßte
      Die vertrackte Wendung heißen,
      Wollt’ ein häßliches Gelüste
      Auf »bezüglich« sich verbeißen.

      Merkt, ihr Herrn, und laßt Euch sagen,
      Was der Sprache Glock’ geschlagen!

      ————-

      *) Der nicht nur dickleibige wissenschaftliche Werke über Germanenkönige und den schmissigen Historienschinken »Kampf um Rom« veröffentlichte, sondern auch bändeweise Gedichte von einer gewissen *hüstel* Butzenscheibenromantik … aber eben dann und wann auch Köstlichkeiten wie die obige.

      • Sie mögen verzeihen, lieber LePenseur, aber seit ich aus dem Englischen zurückgekehrt bin, habe ich so meine Probleme mit der guten alten deutschen Sprache.

    • Auf die Frage kann man eigentlich nur antworten “wen interessiert´s” Is eh wurscht, dann gibt´s Neuwalen, wir brennen dafür wie die Luster und in einem Dreivierteljahr erklären uns dann Schwindi und der Faynachtsmann das zum bewältigen der großen Herausforderungen unbedingt eine große Koalition gebildet werden muss.

      Sollte der HC dann vielleicht doch so um 35% haben nehmen´s halt die Grün_inen mit ins Boot. Die hätten eh auch genug Sozialfälle zum versorgen.

      ODER, die SPÖ macht die Blauen Salonfähig. Immerhin hat man damit ja auch schon die besten Erfahrungen gemacht. Und so braun wie die Urväter sind die Blauen Rabauken ja eh net.
      lg
      S.

    • @Sascha:

      Steh’ im Moment am Schlauch — wer ist »Schwindi«?

      • ich denke, der werte Saschko meinte Schwindelegger.

        BTW, lieber LePenseur — was muss ich tun, dass meine Kommentare auf ihrem Blog sichtbar werden? über die letzten Wochen mehrmals versucht, stets erfolglos…

    • @Nattl:

      Danke für die Aufklärung.

      was muss ich tun, dass meine Kommentare auf ihrem Blog sichtbar werden?

      Da ich internettechnisch eher ein Volltrottel bin, stehe ich etwas hilflos da … eigentlich sollte es keine Probleme geben …

      Mögliche Ursachen:

      1.) Sie verwenden statt IE einen »exotischen« Browser (da las ich schon einmal von Kollegin Eulenfurz/Netzwerkrecherche eine Beschwerde)

      2.) Sie posten zu »älteren« Artikeln — denn die habe ich nach einem guten Rat eines Blog-Freundes auf »Moderation« geschaltet, damit mir nicht irgendein agent provocateur zu einem Uralt-Artikel bspw. ein krasses Neonazi-Posting reinstellt, und meinen Blog dann mit Screenshot an die Stapo vernadert …

      (aber da müßten Sie in meiner Moderations-Liste auftauchen)

      3.) Funktioniert vielleicht die Eingabe des Captcha-Wortes nicht?

      Sollte es das alles nicht sein — dann weiß ich leider auch nicht Rat, sorry …

      Aber vielleicht gibt sich das Problem, ich würde mich über Ihre Kommentare wirklich freuen!

    • @Nattl:

      P.S. bitte posten Sie auch als »Gast« immer mit einem Nickname (und Ihrer Blogadresse) und nicht einfach als »Anonym« — es ist einfach nervtötend, wenn man in einer wogenden Diskussion »Proto-« und »Deutero-Anonymi« durch Stilanalyse auseinanderhalten muß ….


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