• Her mit dem Zaster!

    Posted on November 28th, 2011 Nattl 1 comment

    Frau BM Johanna Mikl-Leitner, frischgewählte Chefin des schwarzen ÖAAB, hat mit der Aussage “her mit den Millionen, her mit der Marie, her mit dem Zaster” am ÖAAB-Bundestag ihrer Partei einen Bärendienst erwiesen. Denn diese Wortmeldung hat nicht nur für Unmut und Unverständnis bei Wählern gesorgt, nein, sie ist Indiz für die Orientierungslosigkeit der Volkspartei.

    Denn anders, als alle anderen im Parlament vertretenen Parteien vermag es die ÖVP nicht zu vermitteln, wo oder wofür sie steht. Man will alles gleichzeitig sein, für alles eintreten und ist doch für nichts.

    Man ist Arbeiter- und Angestelltenvertreter und gleichzeitig Vertreterin der Wirtschaft, man schimpft über Steuergeldverschwendung in staatsnahen Betrieben und im Bildungswesen,  gefällt sich aber gleichzeitig als Vertreter der Rechte des öffentlichen Dienstes.

    Man fordert auf Bundesebene einen harten Sparkurs, gleichzeitig gehören die eigenen Landesfürsten und eine ohne Förderungen lebensunfähige Bauernschaft zu den größten Steuergeldvernichtern im Lande.

    Man wettert gegen Korruption und Misswirtschaft und hatte doch bei fast jedem Finanzskandal der letzten Dekade die Hände im Spiel. Man ist rechts und gleichzeitig links — letztendlich fällt man jedoch auf das zurück, das dazwischen liegt: schlechtes Mittelmaß.

    Wer nach Strasser, Grasser, Kurz, Switak und all den anderen großen und kleinen Skandalen noch immer Kadavergehorsam praktiziert und darauf hofft, dass sich die Volkspartei schon wieder “derappelt”, der glaubt auch ans Christkind.

    Denn die Partei ist eine Partei der Apparatschiks, der Berufspolitiker. Leute die in ihrem Leben noch nie einem richtigen Brotberuf in der Privatwirtschaft nachgegangen sind, sondern stets im Parteiapparat, in Kammern oder im Staats- bzw. Staatsnahem Betrieb angestellt waren. Es sind professionalisierte Verwalter, die nur daran interessiert sind, möglichst lange zu verwalten und neue Verwalter einzustellen. Das gilt zwar auch für die andere Hälfte der großen Koalition, aber wir reden hier über die Volkspartei.

    Es gibt nur eines, das die Volkspartei vor dem beinahe unausweichlichen Untergang retten kann: der Gang in die Opposition für zumindest zwei Legislaturperioden. Dadurch würde ein Selbstreinigungsprozess ausgelöst, aus dem die Partei unter Umständen gestärkt hervorgehen könnte. Und natürlich die Trennung vom archaischen Bündesystem. Nur dann hat die Volkspartei die Möglichkeit, sich im 21. Jahrhundert zu behaupten.

    Vermutlich wird man aber genau das Gegenteil machen und solange an den Ämtern und Sesseln kleben, solange es geht. Und einem Virus gleich wird man dabei nicht nur den Wirt töten, sondern sich auch selbst um die eigene Existenz bringen. Vielleicht gehts ja noch zehn Jahre gut, und dann?

     

    1 responses to “Her mit dem Zaster!” RSS icon

    • Also, ganz im Ernst: ich bin eher geneigt, ans Christkind zu glauben, als daran, daß sich diese Österreichische Versagerpartei nochmals derrappeln wird.

      Ob zwei Legislaturperioden reichen können, dies Surme aus ihrer selbstzufriedenen Lethargie zu reißen, scheint mir mehr als zweifelhaft. Ich würde eher sagen: zusperren und andere ihr Glückversuchen lassen. Wird’s aber net spielen, denn wer schon einmal so fett am Staatstrog sitzt, der läßt sich nicht vertreiben, und schon gar nicht wegen irgendwelcher Quisquilien wie »Weltanschauung«, »Parteiprofil« u. dergl. mehr.

      Wessen Weltanschauung darin besteht, sich den nächsten Dienstposten zu krallen (und wenn man den den Roten lassen muß, dann halt den übernächsten, Hauptsache: her mit dem Zaster!), der braucht keine Opposition — was hat er schon davon?

      »Selbstreinigung« — ach, die Leut’ sollen dafür zum Dungl fahren! Wir machen Politik! Wie die ausschaut? Naja, eh net so wichtig … wie Politik halt ausschaut — eh wuascht, ob von die Roten oder die Schwarzen … Hauptsach: mir san drinnen! Weil da kömma mitbestimmen, wer den Zaster kriagt.

      So schaut’s aus!


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