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Wer nichts zu verbergen hat…
Posted on November 18th, 2011 3 commentsUnglaublich, wie widersprüchlich unsere Gesellschaft ist. Diese Woche hat der Musikdienst Spotify seine Pforten auch für die österreichischen Benutzer geöffnet. Unendlich viel Musik, legal, umsonst bzw. für ein kleines Entgeld. Wer kann da schon nein sagen?
Und wirklich: sowohl auf Twitter als auch auf Facebook schwärmen alle meine österreichischen Bekanntschaften, wie toll dieses Service ist.
Spotify-App runterladen, installieren, mit dem Facebook-User anmelden und schon steht dem uneingeschränkten Musikgenuss nichts mehr im Weg. Oder? Das erste, das Spotify nach dem Start macht, ist sämtliche Musikdateien am Computer zu scannen und zu erfassen — zur gleichen Zeit steigt der Netzwerktraffic, da ja diese Daten an riesige Serverfarmen in der Coud zur Auswertung übermittelt werden. Dass dabei auch möglich ist, festzustellen, ob ein Song legal erworben wurde oder kopiert wurde, liegt auf der Hand.
Dennoch macht sich offenbar niemand wirklich Gedanken, was da wirklich abläuft: Datensammlung im großen Rahmen — persönliche Informationen auf ewig irgendwo in der Cloud gespeichert.
Das wirklich Widersprüchliche an der ganzen Sache ist, dass exakt die selben Leute gegen die Vorratsdatenspeicherung (also die Speicherung persönlicher Daten durch öffentliche Institutionen) sind. Freunde — ihr habt sowieso euer Innerstes nach Aussen gekehrt, indem ihr euch freiwillig Trojaner und Spyware-Programme von solch tollen Cloud-Diensten installiert habt. Wovor bitteschön habt ihr noch Angst? Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten, oder?
3 responses to “Wer nichts zu verbergen hat…”

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Dass es sich eben um keinen Widerspruch handelt, sprichst du ja bereits selbst an: die Freiwilligkeit ist es, die Spotify von einer Vorratsdatenspeicherung unterscheidet. Spotify und andere Cloud-Dienste lade ich mir nach eigenem Wissen und Gewissen herunter; genauso wie ich im Normalfall selbst bestimme, welche persönlichen Informationen ich auf Facebook mit meinen Freunden und damit mit den Facebook-Servern teile.
Greift hingegen der Staat ein, werde ich nicht vorher vor die Wahl gestellt, welche meiner Bewegungen im Internet aufgezeichnet werden sollen und welche nicht. Einen Bundestrojaner installiere ich mir nicht freiwillig, es ist kein Angebot, sondern ein zwingendes Gesetz. Ich möchte die Verbreitung meiner Daten aber selbst in der Hand haben – und das geht eben nur ohne staatliche Institutionen. -
Du hast eben keine Kontrolle, was mit den Daten passiert, die in der ‘Cloud’ gespeichert werden. Spotify mag zwar ein schwedischer Dienst sein, aber da die Daten mit Facebook verknüpft sind, darf man davon ausgehen, dass Facebook ebenfalls diese Daten hat. Abhängig davon WO die Daten tatsächlich gespeichert werden, fällt auch der Zugriff nationaler Behörden aus. Als US-Amerikanisches Unternehmen ist Facebook aber sowieso verpflichtet, Informationen an Regierungsorganisationen weiter zu geben, sofern diese verlangt werden (ich erinnere an die erzwungene Datenweitergabe bei Twitter vor ein paar Wochen).
Auch glaube ich nicht an das Argument der Freiwilligkeit, da ich behaupte, dass es dem Großteil der Benutzer nicht klar ist, welche Daten hier von ihnen erfasst und gespeichert werden.
Lustig finde ich im Übrigen, dass man überall sonst privaten Institutionen misstraut, weil böse und neoliberal und sich den Staat herbeiwünscht, nur eben beim Thema Datenschutz ist es genau umgekehrt — da wird der Cloud blind vertraut…
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Mathias November 18th, 2011 at 15:07
Natürlich, aber das Risiko, den Überblick über meine Daten zu verlieren, gehe ich eben bewusst ein. Es wird mir nicht auferzwungen, bloß weil ich zufällig in Deutschland oder Österreich lebe.
Ich habe keine Statistiken, kann dir also nicht sagen, wie vielen Benutzern wirklich klar ist, dass ihre Daten mitunter jahrelang auf Facebooks Servern gespeichert werden. Ich schätze mal, mittlerweile werden die meisten Benutzer wissen, dass dabei sowas im Gange ist, vor allem nach den vielen Medienberichten. Allerdings: es dürfte den meisten egal sein, verständlicherweise. Immerhin macht es einen massiven Unterschied, ob ein IT-Unternehmen weiß, dass ich auf niedliche Katzenfotos stehe und in 1160 Wien zur Schule gegangen bin, um damit dann gezielt Werbung zu schalten (die ich ohnehin ausblende) – ODER, ob der Staat persönliche Informationen beschafft und speichert, die womöglich für eine Strafverfolgung relevant sein können.Was deinen letzten Absatz betrifft: stimmt, das ist ziemlich scheinheilig, aber die Forderungen nach einem Eingreifen des Staates in private Unternehmen wie Google oder Facebook häufen sich ja bereits. Nicht, dass ich das gut fände, aber ich glaube schon, dass immer mehr Menschen misstrauisch werden. Wobei mir persönlich wesentlich lieber ist, ein privates Unternehmen speichert meine Daten und verwendet sie für Werbezwecke (wovon ich im Normalfall rein gar nichts mitbekomme) als der Staat schnüffelt in meinem Internetverkehr herum und dreht mir mit den Ergebnissen womöglich noch einen Strick. Etwas, das ich von Spotify kaum erwarten werde können; ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass dort tatsächlich Dateien auf Illegalität überprüft (wie soll das auch funktionieren?) und dann die eigenen Kunden an die Staatsanwaltschaft verpfeift werden.
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Mathias November 18th, 2011 at 14:19