• Griechenland ist überall

    Posted on December 5th, 2011 Nattl No comments

    Wieder einmal darf eine privilegierte Kaste Österreichs zufrieden sein: der öffentliche Dienst erhält eine mehr als ordentliche Gehaltserhöhung, 2,68 Prozent für Bezieher von hohen Einkommen und bis zu 3,36 Prozent für Bezieher niedriger Einkommen — im Schnitt 2,95 Prozent. Und das Ganze während einer der schlimmsten Krisen der letzten Jahrzehnte.

    Kurz zuvor hatte die oberste Feministin und Beamtin des Landes, Frau BM Heinisch-Hosek noch groß von letzten Angeboten gesprochen, die deutlich unter dem letztendlich erzielten Abschluss lagen. Letztendlich hat sie aber das gemacht, was man von einer guten sozialistischen Politikerin gewohnt ist: umfallen.

    Die Beamtenschaft kann auf ihren Chefverhandler zurecht stolz sein, hat er doch im Großen und Ganzen alle Forderungen durchgebracht. Solche Verhandler wünschte man sich in anderen politischen Positionen…

    Man muss sich das ganze ja auf der Zunge zergehen lassen: eine Berufsgruppe, die in einer geschützten Werkstätte tätig ist, sich praktisch kaum Sorgen um Jobverlust machen muss, deren “mageres” Gehalt mit allerlei Zulagen aufgebessert wird, deren Gehälter sowieso durch zweijährige Biennalsprünge (also automatische Gehaltsvorrückungen) kontinuierlich steigen und aus Steuern, Abgaben und (oh Schock) aus Staatsschulden bezahlt werden — just jene Gruppe bekommt eine ordentliche Erhöhung. Wer denkt beim Lesen dieser Zeilen nicht sofort an die Zustände in Griechenland?

    Interessant ist auch, dass die Einigung kurz nach der Bekanntgabe, dass Österreichs AAA Rating auch weiterhin gesichert sei, erzielt wurde. Offensichtlich haben unsere Spitzenpolitiker aber beim Begriff “Schuldenbremse” die Bremse mit dem Gaspedal verwechselt, anders kann diese neuerliche Geldverschwendung nicht erklärt werden.

    Aber man muß natürlich auch bedenken, dass Rotschwarz hier wieder eine entscheidende Investition in die Zukunft getätigt hat — in die eigene Zukunft. Neben den Pensionisten zählen die Beamten zu den Säulen der Wählerschaft von SPÖ und ÖVP. Die meisten anderen haben sich ohnedies bereits mit Grausen abgewandt, wurden zu FPÖ-Wählern oder bleiben sowieso der Urne fern. So gesehen ist es aus Sicht der Regierenden daher überaus wichtig, sich so wichtige Wählerschichten wie den öffentlichen Dienst gewogen zu stimmen, könnten doch diese letztendlich das Zünglein an der Waage sein und uns eine Verlängerung des rotschwarzen Albtraums für eine weitere Legislaturperiode verschaffen.

    Und so erklärt sich auch der Titel des heutigen Blogposts — denn, lieber Leser, Griechenland ist doch wirklich überall.

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