• Aus dem Leben eines Blitzableiters

    Posted on January 7th, 2012 Nattl No comments

    Lange hat es gedauert bis die SPÖ ihren eigenen, ihren roten KHG hat. Jemanden, der zu jung, zu schön (naja, das lassen wir mal weg) und zu erfolgreich für dieses Land ist. Offenbar ist es ja das Los von diesen dynamischen, jungen Tausendsassas, dass sie in diesem Land vom gemeinen Pöbel keine Chance bekommen.

    Niko Pelinka hat in der Kronen-Zeitung (wir erinnern uns, das ist jene Zeitung, welche den Bundeskanzler stellt) nämlich ein Interview gegeben, indem er sich ein bisschen wehleidig darüber beklagt, dass er als Blitzableiter herhalten müsse. Eigentlich hatte ich beim Lesen des Interviews fast schon erwartet, dass der junge Pelinka einen Fanbrief zückt und dann aus diesem “sie sind zu jung und zu erfolgreich für dieses Land” zitiert.

    Nach eigenen Angaben ist natürlich ist alles rein zufällig passiert: Der aus einer der SPÖ-nahen Familie stammende Niko P. ist rein zufällig in den SPÖ-Freundeskreis hineingekommen, hat rein zufällig für die rote Bildungsministerin Schmidt als Pressesprecher gearbeitet, hat dann rein zufällig bei der zum rot-geführten Infrastrukturministerium  gehörenden rot-dominierten Bundesbahn einen neu geschaffenen Posten bekommen und saß rein zufällig für die SPÖ im ORF-Bildungsrat, wo er sich für die Wiederwahl des ebenfalls der SPÖ nahestehenden Generaldirektors Wrabetz eingesetzt hat. Nicht wegen dessen Naheverhältnis zur SPÖ, nein, sondern weil er nach Pelinkas Ansicht der beste Mann für den Job sei. Und eben dieser will ihn, Pelinka, nun rein zufällig als Bürochef.

    Ähnlich wie letztes Jahr bei Sebastian Kurz hält man Pelinka seine Jugend vor. Aber die Jugend ist in Wirklichkeit nicht nicht der Grund, warum sich die Öffentlichkeit so echauffiert. Es gibt viele junge Menschen in ähnlichem Alter wie Kurz oder Pelinka, mit richtigem und abgeschlossenem Studium (also keinen Pseudoschnellsiedekurs wie auf der Donau-Uni), die blitzg’scheit und fleissig sind, und trotzdem von Spitzenpositionen Lichtjahre entfernt.

    Was die Menschen in diesem Land aufregt, ist die Tatsache, dass sich eine politische Elite (übrigens unabhängig von der Farbe der Partei) die Rosinen aus dem Kuchen pickt, ohne nur im geringsten daran zu denken, welche moralischen und ethischen Implikationen das verursacht. Es ist nämlich vollkommen irrelevant, ob eine Person Sohn oder Tochter von jemand Wichtigen ist, seit dem Kindergarten in diversen Parteiorganisationen war oder sich von einem Landespolitiker hat anstechen lassen — wenn jemand eine Position nicht durch Leistung sondern durchs Netzwerk bekommen hat, dann muss er oder sie sich auch derlei Kritik gefallen lassen. Daher  gehört auch ein ungeheuerliches Chuzpe dazu, sich hinzustellen und in Interviews zum Opfer hoch zu stilisieren. Aber das kann ja auch ein KHG sehr gut…

    Interessant ist allerdings, dass sich mittlerweile immer mehr Kommentatoren finden, welches die Situation um Pelinkas Bestellung zu relativieren versuchen. Denn vermehrt tauchen in Tageszeitungen nun Kommentare auf, welche sehr kritisch mit den Kritikern ins Gericht gehen. Ob im Standard oder in der Presse — es gibt nun immer mehr Stimmen, die die geplante Besetzung des Vorzimmerchefs von ORF-General Wrabetz mit einen aus altem SPÖ-Adel stammenden Bursch gar nicht so schlimm finden, nein vielmehr sind es ja die Neider, die mit so jungen, erfolgreichen Menschen nicht klarkommen.

    Es stellt sich natürlich die Frage, warum nach beinahe zwei Wochen der Kritik plötzlich Pro-Pelinka-Stimmen aufkommen. Offenbar sind die politisch Verantwortlichen in der SPÖ aus dem weihnachtlichen Dornröschenschlaf erwacht und haben begonnen, bei den Redaktionen diverser Zeitungen zu intervenieren. Ob es da einen Wink von den Inseratenabeilungen gegeben hat, man möge das Thema nicht gar so hochspielen? Hmmm….

     

     

     

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