• Die Krise als Erfolgsmodell

    Posted on January 8th, 2012 Nattl No comments

    Fällt Ihnen was auf? Die letzten zwei Wochen war es absolut ruhig um die Schuldenkrise und den Euro. In den Medien kaum Berichterstattung darüber und kaum Politiker, die Horrorszenarien wie den Teufel an die Wände malten. Stattdessen echauffierte man sich in Deutschland über Präsident Wulff und seine Interventionsanrufe  in den Redaktionen diverser Zeitschriften. Und in Österreich, ja, da hatten wir sozusagen die österreichische Version des Wulff-Skandals: Pelinka for Büroleiter.

    Doch rechtzeitig zum Ende der Weihnachtsferien melden sich Medien, Politiker und diverse Experten zurück mit den fast schon in Vergessenheit geratenen Meldungen zum Thema Eurokrise (die ja eigentlich eine Schuldenkrise der europäischen Volkswirtschaften ist). Allen voran schreibt der Spiegel “Eurokrise kommt mit Wucht zurück”. Aha! Ja war sie denn weg? War die auch auf Weihnachtsferien, die Krise? Und schon beginnen die Politlemminge via Twitter mit dem Verbreiten der Nachrichten. Pelinka ist out, Eurokrise ist in.

    Und siehe da, auf einmal wird verkündet, dass Griechenland jetzt doch vermutlich vor dem Staatsbankrott steht. Was jedem, der eins und eins zusammenzählen kann, seit mindestens zwei Jahren klar war, wird jetzt auf einmal als die große Neuigkeit verkauft. Und schon lädt Merkozy zum nächsten Gipfel ein.

    Mittlerweile sind wir im fünften Krisenjahr (2008 war das erste) und es scheint, dass die Angst vor der Krise für Politik, Medien und Experten zu einem regelrechten Erfolgsmodell geworden ist, dass man, wie seinerzeit katholische Priester den Teufel, regelmäßig aus der Tasche zieht, um sich die Massen gefügig zu machen.

    Einem Zombie gleich werden Euro und Wirtschaftskrise wiederbelebt — aber was dabei entsteht lebt nicht, sondern ist tot. Probleme werden nicht gelöst, sondern unter Millardeneinsatz regelmäßig prolongiert, damit wir die Krise noch länger haben. Letztendlich wird das aber nichts ändern — das Unausweichliche wird kommen, irrelevant, ob es uns passt oder nicht. Die Frage ist nur wann und unter wie viel Schmerz…

     

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