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Kaufet Kriegsanleihen!
Posted on January 18th, 2012 12 commentsJetzt wo das Rating im AA+ ist und uns die bösen neoliberalen Spekulanten und die noch böseren Märkte kein billiges Geld mehr geben wollen, damit wir unseren wunderschönen Wolkenkuckucksheim-Wohlfahrtsstaat auch weiterhin aufrecht erhalten können, müssen wir zu drastischeren Mitteln greifen.
Die Banken, die von der Krise und vorher auch und überhaupt eh immer profitiert haben, sollen einfach ihr ganzes Geld, anstelle dass sie es irgendwo im Ausland anlegen, ganz patriotisch in österreichischen Staatsanleihen anlegen. Günstigst verzinst! Außerdem sollen alle Bürger, _innen sowie die Innen auch gleich Staatsanleihen zeichnen, wenn es ihnen was wert ist, dass Österreich auch weiterhin ein so liebens- und lebenswertes Land bleibt.
Schließlich und endlich wollen wir uns auch weiterhin eine Bundesregierung samt Bundesrat, Minister und Ministerien, Staatssekretäre, neun Landesverwaltungen samt Landtagen, neun Landesfürsten und ihre Hofstaaten, ein Heer von Hunderttausenden Beamten, Vertragsbediensteten und sonstigen wichtigen Leistungsträgern in Bund, Ländern, Gemeinden, Sozialversicherungsanstalten, Arbeiter-, Wirtschafts- und Bauernkammern, Gewerkschafter, Arbeitslose und aus der ArbeitslosenstatistikrausfallendeweilgeradeaufKurs, Politiker und Innen, Pensionisten, Frühpensionisten, Förderungsgeldbezieher, ein paar Milliarden für Klimaschutzzertifikate und alle sonstigen, die Wohlerworbenen Rechte verteidigenden, auch weiterhin leisten können. Sparen, nein das geht gar nicht.
Es ist daher jeder Österreicher dazu aufgerufen, die erste Kriegs… ähhhhh Staatsanleihe zu erwerben!.
Wer glaubt, dass wäre jetzt dick aufgetragen, der irrt. Das wird in linken Kreisen (grün) ernsthaft diskutiert.
12 responses to “Kaufet Kriegsanleihen!”

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Solange es nur bei einem Aufruf, bei Werbung, bei Anreizen bleibt, ist es ja eh noch okay. Japan zwingt seine Unternehmen dazu, dass gewaltige Staatsdefizit durch den Kauf von Staatsanleihen zu finanzieren. Und nein, nicht erst jetzt, sonder seit fast 20 Jahren.
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Sascha January 18th, 2012 at 10:53
Ich bekam diese linken Grusel Ideen zum ersten mal vor wenigen Wochen zu hören.
Die Leute die solche Dinge fabulieren meinen es sicher gut. Bloss ist gut gemeint halt das Gegenteil von gut gemacht.
Die Zinssätze die Österreich derzeit für seine Anleihen bezahlt sind lächerlich. Vor 15 oder 20 Jahren bezahlte Österreich zwischen 6 und 10% Zinsen und es war in Ordnung. Damals war nämlich auch die Infaltion bei 4 bis 6%. UND Österreich hatte nur ca. die Hälfte an Schulden.
Heute zahlt Österreich zwischen 2 und 3,8% Zinsen und hat doppelt so hohe Schulden.
Die Inflation hingegen bewegt sich für die Güter des täglichen Bedarfs bereits jenseits der 7%.
Ergo verschuldet sich der Staat zu einem Zinssatz der im Grunde genommen eine Frechheit ist. Bedenkt man, dass vom Koupon (die Zinsen) auch noch 25% Kest anfallen UND beim Verkauf vor der Anleihentilgung für etwaige Gewinne nochmals 25% WKest bezahlt werden müssen, kann im Grunde niemand der noch alle Tassen im Schrank hat verlangen, dass die Bürger diesen Mist auch noch aus Gründen des Patriotismus kaufen sollen.
Als Investor der ausschliesslich bereits versteuertes Geld zu veranlagen hat verlange ich einen Zinssatz, der mir nach Kest und Inflation einen Nettoertrag von zumindest 3% beschert. Ich denke das ist fair.
So rechnen wir das mal nach.
Inflation 7%, Kest 25% ergibt rund 13,5% Zinsen
Ihr glaubt es nicht?
13,5% Zinsen minus 25% Kest = 10,12
10,12 minus 7% Inflation = 3,12
3,12 minus Depotspesen ergibt in etwa 3%Der angemessene Zinssatz wäre demnach mindestens 13% für eine Staatsanleihe.
PS. Hauptnutzniesser der Inflation ist der Staat. Von jeder Lohnerhöhung sackt er 55% ein.
Jede Erhöhung der Abgaben auf Treibstoffe plus die darauf fällig werdende Ust kommen ihm Zugute. Überdies ist er Hauptaktionär bei alles Energieversorgern und der OMV.
Lasst euch also bitte nicht für dumm verkaufen.
lg
SaschaPS. Ehe jetzt wieder alle Salonlinken reflexartig aufschreien. Ich mache für das derzeitige Dilemma Rot und Schwarz zu gleichen Teilen verantwortlich.
Die Roten weil´s es offenbar wirklich nicht besser wissen und intellektuell herausgeforderte Personen meine Nachsicht haben und die Schwarzen weil´s zum Teil begreifen was sie angerichtet haben und trotzdem, damit so lange weiterzumachen bereit sind, bis die ersten Barrikaden brennen. -
Du hast damit recht, dass die Zinsen für Staatsanleihen wahrscheinlich zu niedrig sind. Aber damit du in deiner Rechnung auf die 13,5 % Zinsen kommst, musstest du schon einige Zahlen aus der untersten Schubladen nehmen und Äpfel mit Birnen vergleichen.
Ich finde es aber auch einigermaßen sonderbar, dass bei österreichischen Staatsanleihen KESt anfällt. Immerhin sind beispielsweise Wohnbauanleihen österreichischer Emittenten KESt-befreit. Warum nicht auch Staatsanleihen? Wahrscheinlich spricht da wieder irgendeine schwachsinnig EU-Richtlinie dagegen, deren einziges Ziel es ist, dem Bankensektor noch höhere Gewinne zu bescheren, indem er ein Quasi-Käufer-Monopol auf Staatsanleihen erhält.
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Sascha January 22nd, 2012 at 22:34
@Roman aus Äpfel und Birnen macht man Obstler, das zu ersten Vorwurf.
Die Berechnung hab ich Schritt für Schritt aufgeschlüsselt, ist eine simple Prozentrechnung, wende dich an deine Kinder die können´s dir sicher erklären;)
Ich bin dir jedenfalls nicht böse. Das Sozialisten zwar viel Herz aber wenig Verstand für Zahlen haben ist Amtsbekannt;)
Wohnbau Anleihen sind übrigens nur bis 4% Kest Frei.
Also in dem Sinne. FREUNDSCHAFT Genosse;)
lg
Sascha -
Ich habe auch nicht behauptet, dass die Rechnung nicht stimmt, sondern, dass die Parameter, die du heranziehst einfach falsch sind.
Nur zwei Punkte:
KESt bzw. früher ZESt ist bei Staatsanleihen bis auf eine kurze Periode in den 1980er-Jahren seit den späten 1970ern immer angefallen und sie fällt auch in den allermeisten anderen Ländern an. Trotzdem sind nirgends Staatsanleihen mit 13 und mehr % finanziert, außer in Ländern mit äußerst zweifelhafter Bonität. Das gleiche gilt für Depotspesen. Die Depotspesen kannst du übrigens sparen, wenn du direkt Bundesschätze einkaufst. Nicht gewusst? http://www.bundesschatz.at
Und dann schiebst du noch Fantasiezahlen ein. Der Mini- und Mikrowarenkörbe werden erst seit 2005 berechnet. Daher gibt es keine Vergleichszahlen aus früheren Jahrzehnten. Und von 7 % sind wir auch da glücklicherweise noch weit entfernt. Die Inflation bei Dingen des wöchentlichen Bedarf (Miniwarenkorb) betrug 2011 5,3 %. Und bei den Dingen des täglichen Bedarfs lag die Inflation sogar … Trommelwirbel … UNTER der Gesamtinflation, nämlich bei 2,7 %.
Als Betriebswirtschafter ist man halt gewohnt, dass man Zahlen immer so drehen kann, dass die eigene Argumentation unterstützt wird und der eigene Betrieb wahlweise besonders gut oder schlecht dasteht. Ich kenne die Tricks. Aber in der Volkswirtschaft geht das halt nicht so einfach.
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Habe noch vergessen, die Quelle anzuführen, nur damit du das nicht wieder anzweifelst: http://www.statistik.at/web_de/statistiken/preise/verbraucherpreisindex_vpi_hvpi/sonderauswertungen/index.html
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Sascha January 23rd, 2012 at 01:13
Lieber Roman,
geh heute mit 72,635€ (1.000,- in echtem Geld) einkaufen und schau was du dafür bekommst. Die offiziellen Inflationsberechnungen sind ja recht lieb, realistisch sind sie aber sicher nicht.
Ich als Anleger entscheide was ich als Endgeld verlange. Und ich borge einem Staat der Pyramidenspielartig seine Finanzen managet nun mal nur dann Geld, wenn die 3% netto dabei rausschauen,
Du darfst dein Geld aber selbstverständlich auch billiger verleihen.
ALso in dem Sinne.
lg
Sascha -
Immer wieder spannend, dass man ausgerechnet den deklarierten Neoliberalen die Grundlagen der Marktwirtschaft erklären muss.
Also mal zum Einstieg: Der Preis bildet sich aus Angebot und Nachfrage. Du kannst als Käufer natürlich jeden beliebigen Preis als Grenze setzen, aber solange es genügend andere Käufer gibt, die den für den Verkäufer besseren Preis bezahlen, wirst du nicht viel davon haben.
So, und jetzt nenne mir bitte ein Land, dessen Staatsanleihen den von dir verlangten Konditionen entsprechen UND das mit Österreich vergleichbare Wirtschaftsdaten hat.
P. S.: Da ich privat permanent Preisbeobachtungen anhand meiner Einkaufsliste mache, kann ich dir sagen, dass der Mikro- und Miniwarenkorb ziemlich exakt auch meinen Beobachtungen entspricht. 7 % Inflation, wie du es ohne Belege behauptest, konnte ich in den letzten 5 Jahren noch nie beobachten.
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Sascha January 23rd, 2012 at 10:17
@Roman, also nach 3 Bier warst du mir lieber;)
@ Redite bei Staatsanleihen. Solange der Deal zwischen Banken und Politik aufrecht bleibt, das die Banken via EZB Geld sprichwörtlich nachgeworfen bekommen und Selbige dafür den (Sozial) Staaten das Geld via Anleihenkauf billigst borgen, werden die Zinsen auf dem tiefen Niveau bleiben.
Italien konnte sich just dann billig neu verschulden als ein paar Tage zuvor die EZB einen Milliardentender um 0,5% vergab. Zufall?
Überdies wird der Kurs von Staatsanleihen von gerade mal 15 bis 20 Banken in einer Auktion festgesetzt.
Die echten Marktkurse entstehen dann am Sekundärmarkt. Du darfst raten ob die meist höher oder niedriger sind;)
By the way, sogar wenn wenn wir deine optimistischen Offiziellen Inflationszahlen von rund 3% hernehmen geht sich´s mit den Zinsen nicht aus.
3,8% Zinsen minus 25% Kest ergibt 2,85 Netto Rendite. Da bleibt auch ohne Depotspesen kein Plus mehr übrig.
Ergo werde ich einem Staat der mit meinem Steuergeld schon nicht auskommt nicht auch noch freiwillig Geld borgen. Vor allem nicht für so wenig Zinsen.
@ Inflation
So du dir wirklich die Mühe machen möchtest, schau dir die Preissteigerungen bei Kaffee, Nudeln, Treibstoffen, Gas und Strom der letzten 3 Jahre an.
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Mein Punkt war: Du hast mit Staatsanleihen noch nie viel Rendite machen können und wirst auch in Zukunft nicht die von dir geforderten Renditen bekommen.
Ad Inflation: Willkommen im Post-Öl-Zeitalter! Da ich wenig mit dem Auto fahre, wirken sich die die Autokosten bei mir kaum aus.
Die Verteuerungen bei einzelnen Lebensmitteln gab es – keine Frage. Aber es gab auch Verbilligungen. Wie gesagt: In Summe kann ich den Mini- und Microwarenkorb der Statistik Austria für mich bestätigen.
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Na, ich schätz den Roman so ein, dass er im Jahr fünf Flatscreens kauft und somit zu den Inflationsgewinnern gehört.
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Nattl, knapp daneben. Ganz ernsthaft: Ich habe vor 3 Jahren begonnen, konsequent, wo es geht, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Das hat anfangs meinen Warenkorb um ca. 10 % verteuert.
Aber: Während konventionell produzierte Lebensmittel, wie Sascha richtig schreibt, teilweise erheblich teurer wurden, blieben die Bio-Lebensmittel stabil, bzw. einige wurden sogar signifikant billiger. In einigen Fällen (z. B. Kaffee) sind die Bio-Lebensmittel mittlerweile billiger als die konventionellen. Vielleicht ist das das Geheimnis?
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Roman Korecky January 18th, 2012 at 09:16