• Warum ich so gemein zu den Grünen bin

    Posted on January 2nd, 2012 Nattl 11 comments

    Es wird mir ja in regelmäßigen Abständen vorgeworfen, ich sei so fürchterlich unfair zu den Grünen — sei es mit bösartigen Artikeln auf diesem Blog, mit gemeinen Tweets auf Twitter oder garstigen Kommentaren auf Facebook. Daher kommt es auch in regelmäßigen Empörungswellen, die in Blogposts mit Dutzenden Kommentaren und mit Strafentfolgung auf Twitter enden.

    Der aufmerksame Leser dieses Blogs weiß aber, dass ich es ganz sicherlich nicht alleine auf die armen Grünen abgesehen habe. So bekommen Politiker und Parteien jeglichen Colleurs ihr Fett ab. Die Schwarzen können sicherlich bestätigen, dass ich sie sicherlich nicht sanft angefasst habe. Die Freiheitlichen müssen sogar regelmäßig unter meinen dürftig bemessenen Videoschnittkünsten leiden, wenn ich wieder mal in Monty Python’s Zitatenschatz krame und Fernsehübertragungen nachvertone.

    Und doch sind es stets die Grünen, die bei der geringsten Kritik, bei der kleinsten Verunglimpfung wehleidig aufheulen.

    Dabei bin ich gar nicht so unfair: ich habe beispielsweise zumeist davon abgesehen, den Terminus “Gutmensch” zu verwenden, der ja oft als sehr abwertende Bezeichnung verwendet wird. Allerdings sehe ich nichts verwerfliches, wenn jemand den Menschen in seiner Umgebung gutes tun will. Da bediene ich mich schon eher Bezeichnungen wie Bobos, selbsternannte Bildungsbürger, Weicheier, Jakobiner, Looter etc. Diese sind böse genug, um den durchschnittlichen Grünwähler rotieren zu lassen. Und ab und zu einfach mal einstreuen, die Grünen wären unsozial — das bringt das grüne Gemüt zum kochen.

    Aber ich bin nun einmal fürchterlich böse. Und ich besitze eine Eigenschaft, die man dieser Tage oft vermisst: ich buckle nicht und sage frei heraus, was ich mir denke. Das mag manchen nicht zum Gesicht stehen, aber das ist mir egal — solange die freie Meinungsäußerung in diesem Lande noch nicht verboten ist (sofern sie dies von verlogener pseudointellektueller Political Correctness nicht ohnedies schon ist), werde ich daher dieser auch Ausdruck verleihen, ob es so manchen Moralapostel passt oder nicht.

    Aber ich werde sehr oft misverstanden! Ich bin nicht gegen die Grünen. Genausowenig wie ich gegen jede andere, demokratisch gewählte Partei bin. Ich bin den Grünen auch dankbar für vielerlei Denkanstöße, die sie über die Jahre in die politische Diskussion eingebracht haben. Wo wären wir heute, wenn die Urväter der Grünen damals nicht in der Hainburger Au gefrohren hätten?

    Was ist also mein Problem mit den Grünen bzw. deren Problem mit mir? Es gibt wohl kaum eine andere Partei, die von der eigenen moralischen Überlegenheit derart überzeugt sind, wie die Grünen. Kein Lebensbereich existiert, von dem die Grünen  nicht wissen, wie man diesen besser, richtiger gestalten sollte. Keine Frage existiert, auf welche die Grünen nicht die einzige wahre Antwort haben. Dabei will ich jetzt nicht einmal behaupten, dass es genügend Dinge gibt, bei denen die Grünen  sicherlich recht haben. Allerdings dieses ständige Rechtbehalten wollen in allen Lebenslagen ist, dass mir aufstößt.

    Nur ist diese weltverbessernde Art, diese vorgespielte moralische Überlegenheit oftmals sehr unerträglich. Wie kann man sich denn beispielsweise über Inserate der SPÖ aufregen, während eigene Landtagsabgeordnete in Qualitätszeitungen eine Quasi-Kolumne haben, als Kommentar “der Anderen” getarnt?

    Korruption, Günstlingswirtschaft, Postenbesetzung für Parteifreunderl, so etwas gibt es nur bei den anderen Parteien. Selbst ist man nämlich moralisch unantastbar. Die Neuschaffung von sauteuren Funktionen wie beispielsweise Fahrradbeauftragter, Fußgängerbeauftragter etc. ist etwas ganz anderes — das sind für die Allgemeinheit wichtige Positionen, die für ein besseres Leben im grünen Utopia unbedingt notwendig sind.

    Man fordert vollmundig Vermögenssteuern für die Reichen, mehr Kontrolle für die bösen, neoliberalen Heuschrecken und beschließt in Wien ein unglaubliches Belastungspaket mit sinnlosen Erhöhungen auf Wasser, Müllabfuhr, Kanal, Ubahnsteuer etc. Liebe Grüne, genau das sind aber die wahren Inflationstreiber — sollten also nächstes Jahr beispielsweise die Mieten extrem steigen, dann werdet ihr aber sicherlich zu den ersten gehören, die voller Empörung gegen diese herzlose Erhöhung protestieren werden. Freilich, ihr habt die Erhöhung nicht alleine beschlossen, das war schon Plan von der SPÖ — diese wäre aber nie auf die Idee gekommen, ein derartiges Belastungspaket zu beschließen, wärt ihr nicht willfährige Helfer bei einem solchen. Und natürlich bei der nächsten Landtagswahl die Sündenböcke…

     

     

     

     

     

     

    11 responses to “Warum ich so gemein zu den Grünen bin” RSS icon

    • Warum du so böse zu den Grünen bist?…Weil sie es verdienen!!! :-)

    • Wir kommen zum Thema ‘wählbare Alternativen’: Es stehen da die vollkorrupten&totalverrotteten Alten, das neue blaue Prole/Prekariat und ihre Führer und diejenigen, die sich Kolumnen in Zeitungen als “Meinung der anderen” betiteln lassen. Was sehe ich falsch oder gar nicht?

    • Ich dachte bis dato stetes der Hauptgrund wäre, weil sie so lieb quietschen wenn man drauf steigt;)

    • Cher Nattl,

      weshalb dieser m.E. völlig unnötige Kotau vor einer moralinsauren Clique von Heuchlern und selbsternannten Besserwissern — also einer Gruppierung, auf die der Piefke-Ausdruck »Gesocks« maßgeschneidert paßt?

      Der linke Spießer aus vormals bürgerlichem Hause — diese Beschreibung paßt auf die meisten ihrer Wähler, weniger auf ihre Nomenklatura, denn die sind öko-getarnte Kommunistenkader aus der ÖH! — soll ruhig aufheulen, wenn man ihm in die … tritt. Da sie selbst permanent mit der gaaanz großen Faschismuskeule unterwegs sind, müssen sie halt lernen, auch einzustecken.

      Wenn sie das nicht können, dann bestätigen sie durch ihren Exitus an Hyperventilation die Darwin’schen Gesetze. Uijegerl, das wird unsere Ökommunisten wieder krämpfen, sowas zu vernehmen, und sie werden wieder mit der Keule fuchteln! Ihr Problem dabei ist nur: es nimmt sie heute keiner mehr ernst. Ein Wunder, bei so einer Frontfrau und solchen politkorrekten Hosenscheißern dahinter?

      Die Grünen in Österreich sind eine Gruppe, die sich überlebt hat. In ein paar Jahren werden sie die SPÖVP als Pensionistenpartei beerbt haben, und dann sind sie ein Fall für die Sterbestatistik — m.a.W. ein Problem, das sich so wie Dentistenkammer früher oder später von alleine erledigt …

    • Ihr Vergleich hinkt: Höhere Mieten -> (meist wohlhabende) Vermieter bekommen das Geld. Höhere Gebühren für “Infrastruktur” -> alle haben was davon, nämlich eine Grundversorgung (Gegenteil siehe Neapel)

    • @Christian. Da wurden sie aber in Ihrem Juso Diskussionskurs schlecht informiert;)

      Bei großer Inflation wird die in allen Mietverträgen vereinbarte Indexklausel ausgelöst. Mein Büro wurde alleine von 2010 auf 2011 um € 370,-/ Jahr teurer aus jenem Grund.

      Hauptinflationstreiber 2010 als auch 2011 war die Öffentliche Hand.

      By he way. Wer denken Sie ist in Wien der größte Vermieter? RICHTIG die Gemeinde Wen. Mit anderen Worten.

      Durch die selbst induzierte Inflation werden die durch Misswirtschaft verursachten Schulden in Relation kleiner. Überdies Konnte sich die Gemeinde Wien seinerzeit das Geld ja auch noch zu niedrigen Zinssätzen ausleihen. Ausgenommen die windigen und neoliberalen Cross Border Leasing Deals.

      Und die Mieten steigen progressiv, so dass die Gemeinde weiter misswirtschaften kann.

      Wenn man jetzt noch bedenkt wie damals die ganzen empörten Roten und Grünen inkl. berüchtigter Immobilien Haie gegen die “phöse” Schwarz/Blaue Regierung demonstriert haben………….

      Ich fürchte die Rot/Grüne Stadtregierung wird als die sozial kälteste und zugleich wirtschaftsschädlichste aller Zeiten in die Geschichte eingehen.

    • @Sascha Hauptinflationstreiber war mit Sicherheit der steigende Treibstoffpreis und auch der daran gekoppelte Gaspreis. Auch steigende Lebensmittelpreise, aber bestimmt nicht eine “selbstinduzierte Inflation” der öffentlichen Hand. Wie funktioniert die eigentlich?

    • @Christian. Zweifellos waren Treibstoffe und Gas wesentliche Inflationstreiber aber schauen wir uns doch einmal an wer hinter den Strom, Gas und Treibstoffanbietern als Haupteigentümer steht.

      Sowohl die OMV von der 90% aller in Österreich verkauften Treibstoffe stammen als auch sämtliche Energieversorger befinden sich mehrheitlich in Staatsbesitz.

      Überdies wurden von 2010 auf 2011 die Abgaben auf Treibstoffe und Energie nochmals erhöht.

      Die Abgaben waren natürlich separat auch noch Umsatzsteuerpflichtig.

      Dazu noch die bereits beschlossenen Gas und Strompreiserhöhungen hinzugerechnet und das unsoziale Belastungspaket in Wien (Parkgebühren plus 60%, Wasser plus 30%, U Bahnsteuer plus 200%) ergibt schon mal eine schöne Kerninflation.

      Ein Beispiel. Nehmen wir einen typischen Wiener Betrieb der käuflichen Zuneigung mit einem auffallenden Naheverhältnis zur grünen Parteispitze.

      Die Lokalität befindet sich am Gürtel und grüne Politiker präsentierten dort Ihre Bücher.

      Aufgrund der nun valorisierten Vignette, den um 60% höheren Parkgebühren und den durch Steuern teuren Sprit wird der dortige an der Türe diensttuende CRM Manager wohl über kurz oder lang um eine Gehaltserhöhung beim Chef vorstellig werden.

      Aber auch die Rundumkosten des Lokals werden steigen. Man bedenke Wasser plus 30%. Da das einsparen des Duschens für alle Beteiligten wohl eher nicht in Frage kommt, wird wohl auch die Dienstleistung selbst teuerer werden müssen. Die Damen werden selbstverständlich nicht mit der UBahn sondern mit dem Taxi heimfahren, welches wiederum aus Anfangs zitierten Gründen auch teuer statt günstiger werden muss.

      Das lieber Christian ist eine von der öffentlichen Hand induzierte (herbeigeführte) Inflation.

      PS. Bevor jetzt irgendjemand voll betroffen ist wegen des Beispiels möchte ich klarstellen, dass die “lustigen” Geschichten rund um jenes Lokal als auch um deren Eigentümer hinreichend Amtsbekannt sind und in Magazinen wie Profil und News darüber berichtet wurde.

      Die erwähnte Buchpräsentation war damals im ORF zu sehen. Es war allerdings sogar dem Ritschi Lugner peinlich vor dem Etablissement gefilmt zu werden. Ein echtes Stück Fernsehgeschichte möchte man meinen;)

      • @Sascha

        Bei den Stromanbietern sollte mehr Konkurrenz herrschen, dann wären auch die Preise fairer (war erst heute in den Medien). Was den Strompreis betrifft stimme ich Ihnen zu, was die anderen Punkte betrifft aber nicht:

        Zwecks Besteuerung von Treibstoff, sollten Sie sich einmal das Thema Kostenwahrheit zu Gemüte führen. Sie werden dann sehen, dass die Steuer auf Treibstoffe noch höher sein müsste, allerdings auch zweckgebunden zur Schadensminderung eingesetzt werden sollte (z.B. Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Umweltschutz, Behandlung von Atemwegserkrankungen, Gehörschäden,…).

        Die Parkgebühr betreffend kann ich nur sagen, wer sich ein Auto in der Stadt leisten kann, der kann auch den gerechtfertigten Preis für die dadurch entstehende Platznützung bezahlen.

        Als Wasserwirtschafter kann ich Ihnen sagen, dass in der Wasserversorgung nur kostendeckend gewirtschaftet werden darf. Es darf also weder ein Gewinn, noch ein Verlust eingefahren werden. Warum eine plötzliche Erhöhung von 30% stattfand, sollte allerdings geklärt werden.

        U-Bahn Jahreskarten, die von denen gekauft werden, die wenig Geld und somit kein Auto haben, sind übrigens günstiger geworden. Leider sind sie nicht auf 100€ gesenkt worden, ansonsten würde ich mein Rad häufiger zu Hause stehen lassen.

    • @Christian. Den Diskurs auf die angebliche fehlende Kostenwahrheit bei den Treibstoffpreisen lenken zu wollen ist ein netter Versuch.

      Wenn ich nicht irre ging´s aber um staatlich induzierte Inflation;)

      Macht aber nix. Ich finde es gut wenn sie ihr Rad häufig benutzen. Das reinigt die bodennahe Luft von Feinstaub Partikel;)

      Allerdings erwarte ich mir von Ihnen, dass Sie ihren dadurch induzierten erhöhten CO2 Ausstoss durch das Guerillapflanzen biologisch wertvoller Blumen in Bezirken mit erhöhtem Migrantenanteil kompensieren;)

      Den in Wahrheit denkt sich der echte grüne Bobo von Welt ja nur “sollen´s doch mit der Bim fahren die ganzen Proleten”

      Die selbstverständlich in eine Gmbh ausgelagerte Wasserwirtschaft in Wien schrieb übrigens seit Jahren fette Gewinne.

      Darum sind die Grünen auch unsozial. Wasser und Strom braucht jeder. Da kommt keiner aus. Und es würden auch mehr Leute mit den Öffis fahren wen sie attraktiver wären. Nicht nur jene die zu “arm” sind um sich ein Auto leisten zu können.

      By the way. Das Plus im Börsel von der letzten Lohnrunde wandert zumindest in Wien 1:1 in die Taschen der Rot/Grünen Abkassierer.

      Dafür sollten sich die Damen und Herren der Stadtregierung einfach nur schämen.
      lg
      S.

    • @Sascha

      Was Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Müllentsorgung betrifft haben sie leider recht. Es ist schon erschreckend, wenn man auf der Uni lernt, dass im Gesetz “kostendeckend” steht und in Wirklichkeit so gewirtschaftet wird: http://kurier.at/nachrichten/wien/4479396-wien-rh-kritisiert-gebuehrenerhoehungen.php

      Warum regt sich Herr Juraczka bloß auf? Hier muss es doch ein rechtliches Mittel geben um der SPÖ Wien auf die Füße zu steigen.


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